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huf_schmidt: Am besten sind die Anti Autorenfilmer, also Klick & Co
Cinegeek Cinema: stimmt, die westerner und thriller experten!
nimbus: toll geschrieben und ungewöhnlich für solche seiten, dass hier richtige artikel verfasst werden.

Neuer Deutscher Film

(Part 1)
„Der alte Film ist tot. Wir glauben an den neuen“, wurde 1962 auf blauer Pappe während des Filmfestivals in Oberhausen verlesen. Papas Kino ist tot gilt als Stunde Null des deutschen Films. Ein Paukenschlag, obwohl die Rebellen des Oberhausener Manifests bis dahin fast nichts vorzuweisen hatten. Nur drei waren dabei, die schon längere Filme gedreht hatten. Hansjürgen Pohland hatte 1961 Toby inszeniert, Ferdinand Khittl arbeitete an Die Parallelstrasse und Herbert Vesely an Das Brot der frühen Jahre. Dennoch, 26 Filmemacher versuchten das, was in Italien nach dem Krieg passiert war und in Frankreich wenige Jahre zuvor. Genau wie die Franzosen wollten auch die jungen Deutschen weg vom Qualitätskino eines Helmut Käutner. Es ging nicht um grosse sorgfältige Filme, sondern kleine persönliche Fantasien, um Brüche, Fehler, Abwegiges und Unklares. Als die ersten Spielfilme ins Kino kamen, drehten einige von ihnen jedoch vom Start weg schlechte und behäbige Filme, die bald im TV landeten. Andere hatten Potential: Volker Schlöndorff war stark von Themen geprägt wie später Reinhard Hauff, Peter Lilienthal, Michael Verhoeven und Margarethe von Trotta. Dann waren da diejenigen, welche Bilder und Formen reflektierten wie Alexander Kluge und Edgar Reitz – Stets auf Distanz bedacht, um das Zeichenhafte ihrer Bilder zu betonen. Ihnen folgten Ulrike Oettinger, Helke Sander, Werner Schroeter und Hans Jürgen Syberberg. Dann gab es die mit grosser Euphorie für pure Kinoformen, die sich an Vorbildern und Genres orientierten: Roland Klick, Klaus Lemke, Rudolf Thome und Will Tremper. Vertieft wurden diese Anfänge in den 70ern durch die Stars des Neuen Deutschen Films: Rainer Werner Fassbinder, Werner Herzog und Wim Wenders. Heute lassen sich über die einzelnen Filme hinaus Themen und Motive erkennen, die variiert wurden. Wie auch im Neo Realismus und in der Nouvelle Vague gab es erste Vorläufer (Das Brot der frühe Jahre, Zwei unter Millionen), die ersten Filme nach dem Manifest (Der junge Törless, Tätowierung, Abschied von gestern), die Höhepunkte (Bierkampf, Hitler, Die Ehe der Maria Braun, David, Palermo oder Wolfsburg, Frank Orlando, Fitzcarraldo, Der Stand der Dinge) und schliesslich Ermüdungserscheinungen. Alle einte der Versuch, mit ganz anderen Bildern zu operieren, einen neuen Blick freizumachen auf ungewöhnliche Figuren in einer gewöhnlichen Welt. Grossen Anteil daran hatten auch die neuen Kameramänner für die Entdeckungen eines Werners Herzog oder die Künstlichkeit eines Werner Schroeter. Jost Vacano für Klick oder Schlöndorff, Jörg Schmidt-Reitwein für Herzog und Gerard Vandeberg für Lilienthal und Schamoni, zuletzt die Stars Michael Ballhaus für Fassbinder und Robby Müller für Wenders. Ballhaus verpasste Fassbinders Kino eine neue Opulenz und Müller revolutionierte mit Wenders das Genre des Road Movies. Ein Verdienst aller Filmemacher nach Oberhausen war der Wille, sich mit der Vergangenheit zu befassen. Endlich wurde sich mit dem Nationalsozialismus auseinander gesetzt, etwa in Straub/Huillets Nicht versöhnt (1964). Die Ehre der Maria Braun, Deutschland im Herbst und Deutschland bleiche Mutter sind alle auch Auseinandersetzungen mit der Nazizeit. Das zweite grosse Thema war der Kampf um Identität, ohne auf Vater und Mutter zurückzugreifen. In Schamonis Schonzeit für Füchse schwenkt ein Journalist zwischen der gross- und kleinbürgerlichen Welt und entscheidet sich letztlich dafür, sich nicht zu entscheiden. In Wenders Alice in den Städten, Im Lauf der Zeit und Paris Texas wird das Unterwegs Sein zum Raum für Selbstfindung. Ein weiteres Thema war die Frau in der westdeutschen Gesellschaft. Helke Sander-Brahms (Shirins Hochzeit) und Margarethe von Trotta (Das zweite Erwachen der Christa Klages) charakterisieren ihre Figuren kunstvoll und spannend, Rudolf Thome in Rote Sonne geht das Thema radikal an: Eine Frauen WG, die jeden Mann nach drei Tagen umbringt. Seit der Nouvelle Vague waren Genres nicht mehr festgefügt, um immer dasselbe neu zu erzählen, sondern Spielplatz und Reservoir für Neues. Der Neue Deutsche Film nahm diese Haltung im Heimatfilm schnell an: Peter Fleischmanns Jagdszenen aus Niederbayern, Reinhard Hauffs Mathias Kneisel, Volker Vogelers Jaider, Der einsame Jäger oder Uwe Brandners Ich liebe dich, ich töte dich stellen das Genre auf den Kopf. Sie verklären das Heimische nicht, sondern klären auf. Besondere Akzente setzte das Thema Coming of age. Anders als in New Hollywood waren es meist Filme des Scheiterns. Schaafs Tätowierung, Klicks Supermarkt und Hark Bohms Nordsee ist Mordsee zeigen, dass Glück nur anderswo existiert. Das politische Kino von Peter Lilienthal stellte eine wichtige Fussnote dar: Malatesta und Es herrscht Ruhe im Land spitzen das Skandalöse nicht durch ihre Story zu, sondern machen es transparent. Fassbinder, Schroeter und van Ackeren legten auch einzelne Melodramen vor, Romanzen gab es sehr vereinzelt (Thomes Berlin Chamissoplatz), sogar Krimis (Lemkes Negresco, Vadim Glownas Desperado city) und Komödien (May Spils Zur Sache Schätzchen, Bernhard Sinkels Lina Braake, Edgar Reitz Die Reise nach Wien). Wichtiger aber waren Road Movies, das Genre des Aufbruchs: Kluges Abschied von gestern, Lemkes 48 Stunden bis Acapulco, Roald Kollers Johnny West mit Rio Reiser und eben die Filme von Wim Wenders in denen Landschaften mythisch überhöht werden. Anders als die Nouvelle Vague spürte der Neue Deutsche Film nicht die grosse Lust daran, das Kino durch Genres zu erweitern, wohl aber hatten auch die Deutschen Freude, neue Facetten zu entdecken. Der Neue Deutsche Film liebte Aussenseiter und Sonderlinge; Rebellen, Bohemians und Kauze wie Herzogs Kinski. In Thomes Rote Sonne gibt es ein wirres Duell am Starnberger See. In Fassbinders Händler der vier Jahreszeiten wird sich zu Tode gesoffen und in Wenders Paris Texas ziellos durch die Wüste gewandert. Die Rebellen von Lemke und Klick hetzten durch die Welt und nehmen einen Schlag nach dem anderen auf (Rocker und Supermarkt). Der Höhepunkt des Neuen Deutschen Films kam Anfang der 80er. Fassbinders BRD Trilogie, Schlöndorffs Die Blechtrommel, Herzogs Fitzcarraldo und Wenders Paris Texas wurden gefeiert. Mit dem Tod Fassbinders, der geistig moralischen Wende Kohls erodierte die Bewegung. In den 80ern/90ern kam die späte Rache des „normalen“ Films: Er sah wieder aus wie das bundesdeutsche Kino der 50er Jahre. (vgl. epd 2/12, S. 22f.) (Wir stellen nicht die Filme, nur die links zur Verfügung)
Aus einem deutschen Leben (1977)
Nur selten nahm der Neue Deutsche Film Bezug zur Nati Zeit: Theodor Kotullas Biographie des Ausschwitz Kommandanten Rudolf Höss mit dem jungen Götz George (der eben doch für die neue Generation an Autorenfilmern vor der Kamera stand!), bildet da eine Ausnahme!
Das Brot der frühen Jahre
Herbert Veselys Böll Verfilmung aus dem Jahr 1962 gehört zu den Pionieren des Neuen Deutschen Films!
Das Ende des Regenbogens
Die Geschichte eines 17jährigen schönen Strichers in West-Berlin. Von Uwe Frießner, 1979
Desperado City
von Vadim Glowna, 1981
Die Parallelstrasse
Die ganz frühen Produktionen des Neuen Deutschen Films sind heute nahezu unbekannt: Von Ferdinand Khittl, 1962
Die Reise nach Wien
Edgar Reitz (mit seinem Co-Autor Alexander Klug) bieten hier eine ungewöhnliche Mischung von Schauspielern: Elke Sommer, Hannelore Elsner und Mario Adorf
Die letzten Jahre der Kindheit
von Norbert Kückelmann, 1979
Es herrscht Ruhe im Land
von Peter Lilienthal, 1976
Freak Orlando
von Ulrike Ottinger, 1981
Hitler (1962)
Hitler privat, immer so eine Sache... Von Stuart Heisler