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FREE ON YOUTUBE Das Mädchen Wadjda - Wadjda (2012) (Rating 8,0) (OmeU) DVD4074
Mi, 15/07/2026 - 10:43
„Trotz ihrer Bilder haben wir, ausgehend von dem, was ausserhalb der Schussweite ihres Blicks lag, versucht, andere Bilder hervorzuheben, Fetzen einer verachteten Alltäglichkeit“, so die algerische Filmemacherin Assia Djebar. Ihre Beschreibung liest sich wie die Zusammenfassung des arabischen Films. Das Schöne daran, Filme zu sehen, die nicht der westlichen Kultur entstammen, ist die Lust an einer Entdeckungsreise. Das soll nicht als Ersatzurlaub auf der Mattscheibe verstanden werden, sondern als Entdeckung einer ganz anderen Form von Film. Arabische Filme lösen sich gerne von den dramaturgischen Gesetzen westlicher Produktionen, die Einzelteile ihrer Geschichten sind zusammen gesetzt wie ein Mosaik, ganz so wie es üblich ist in orientalischen Erzählungen. Die Filme sind nicht selten von subversiver und unbändiger Kraft, die Bilder stilistisch unkonventionell gegenüber allem, was man kennt. Arabische Filme lassen sich nicht auf einen gemeinsamen Nenner bringen, genauso wenig wie das grosse Vorbild der ägyptischen Filme. Orientalische und okzidentale Elemente fliessen ineinander, die Werke sind innovativ und manchmal radikal. Die Filme werden privat oder in Co-Produktion mit dem Ausland finanziert und entkommen so der allgegenwärtigen Zensur. Trotzdem sind sie technisch und ästhetisch sehr versiert, oft bestechend durch die handwerkliche Perfektion. Der arabische Autorenfilm ist im besten Fall dicht erzählt, obwohl er mit langen Kamerafahrten und einem ebenso langsamen Rhythmus arbeitet. Sicherheiten vermiedet er, Andeutungen gibt er preis, vieles ist metaphorisch und spielerisch (vgl. epd 11/97, S. 29f.). Es scheint, als sei gerade die Schwierigkeit, einen Film herzustellen, die grösste Qualität des arabischen Kinos, denn im Nahen Osten hat das Filmschaffen drei übermächtige Gegner: Das ägyptische Kino, Bombay und Hollywood. Hinzu kommt die Bilderfeindlichkeit des Islam, der in Moscheen beispielsweise keine figürliche, sondern nur dekorative Darstellung zulässt. Während das Abendland von der kirchlich christlichen Ikonographie geprägt ist, gibt es in der islamischen Welt keine vergleichbare Bildtradition. In Saudi Arabien und den Golfstaaten ist praktisch keine Kinofilmproduktion existent, so begegnet man im Kino nur Filmen aus dem Irak, Syrien, Kuweit, dem Libanon, Jordanien oder Palästina. Das, was in der filmischen Korrespondenz auf Festivals möglich ist, scheint im Leben ausgeschlossen. Die Politik dominiert das Filmschaffen, im Grunde ist es ein kleines Wunder, wenn überhaupt Filme aus dem Libanon oder derzeit Syrien kommen. Das Kino der Palästinenser ist immer noch weitgehend Exilkino, obschon es einige der schönsten Filme aus der Region hervorbrachte. Nur zwei Staaten brachten eine kontinuierliche Filmproduktion heraus, Syrien und der Irak. In diesen Filmen sieht man den Einfluss des italienischen Neo Realismus, sie sind poetisch und bildgewaltig mit geringen Mitteln. Der syrische Film hatte seine Blütezeit Anfang der 70er, wo relativ unbürokratisch Debütfilme hergestellt werden konnten. Es entstand ein phantasievolles und humorvolles Fabelkino, welches die gesamte Region bis heute beeinflusst. Die materielle Basis dafür ist in Syrien aber seit langem rückläufig und letztlich katastrophal. Wenige neuere Produktionen grenzen sich stark vom Islamismus und auch vor westlich- amerikanischen Einflüssen ab. Die in Syrien und anderen arabischen Staaten vorherrschende Tendenz, Eigenständigkeit und Unabhängigkeit zu betonen, sieht man in den Kinofilmen (vgl. epd 3/2000, S. 26f.). Viele arabische Filme kann man als Vorboten des arabischen Frühlings sehen, der dadurch weniger überraschend wirkt. Wut ist schon seit längerem die gemeinsame Filmsprache einer ganzen Region. Es ist erstaunlich, in welchem Masse Film die Hoffnungen der Revolution vorhergesagt hat. In Ägypten war die Filmcommunity besonders involviert auf dem Tahrir-Platz und gehört auch jetzt zur Protestbewegung der nachrevolutionären Ära. Tunesische Filme behandeln die Probleme des Landes seit langem. Im tunesischen Film gibt es seit Jahren kaum eine Figur, die sich nicht verzweifelt danach sehnt, dem chancenlosen Leben zu entkommen. In Syrien bleibt vor allem der packende The long night in Erinnerung über einen politischen Häftling, der, aus der Haft entlassen, auf dem Weg nach Hause stirbt. Trotzdem zeichnet sich nach der langen Nacht die Morgendämmerung ab, wie sich die gesamte arabische Welt aus ihrem Zustand der Lähmung befreit. - "In spite of her images, starting from what was outside the range of her gaze, we tried to emphasize other images, shreds of a despised everyday life," says Algerian filmmaker Assia Djebar. Her description reads like the summary of the Arabic film. The beauty of seeing films that do not stem from Western culture is the desire to embark on a voyage of discovery. This is not to be understood as a substitute vacation on the screen, but as a discovery of a completely different form of film. Arab films like to break away from the dramaturgical laws of Western productions, the individual parts of their stories are put together like a mosaic, just as it is usual in oriental narratives. The films are often of subversive and irrepressible power, the images are stylistically unconventional compared to everything one knows. Arabic films cannot be reduced to a common denominator, just like the great model of Egyptian films. Oriental and occidental elements flow into each other, the works are innovative and sometimes radical. The films are financed privately or in co-production with foreign countries and thus escape the omnipresent censorship. Nevertheless, they are technically and aesthetically very well versed, often captivating due to the perfection of their craftsmanship. The Arabic auteur film is at best densely narrated, although it works with long camera movements and an equally slow rhythm. He avoids certainties, he reveals hints, much is metaphorical and playful (cf. epd 11/97, p. 29f.). It seems as if the difficulty of making a film is the greatest quality of Arab cinema, for in the Middle East film-making has three overpowering opponents: Egyptian cinema, Bombay and Hollywood. Added to this is Islam's hostility to images, which in mosques, for example, allows only decorative representation rather than figurative representation. While the Occident is characterized by ecclesiastical Christian iconography, there is no comparable pictorial tradition in the Islamic world. In Saudi Arabia and the Gulf States there is practically no cinema film production, so in the cinema one only encounters films from Iraq, Syria, Kuwait, Lebanon, Jordan or Palestine. What is possible in filmic correspondence at festivals seems impossible in life. Politics dominates filmmaking, it is basically a small miracle if any films come from Lebanon or currently Syria. Palestinian cinema is still largely an exile cinema, although it has produced some of the most beautiful films in the region. Only two states released a continuous film production, Syria and Iraq. In these films one sees the influence of Italian neo-realism, they are poetic and powerful with little means. The Syrian film had its heyday at the beginning of the 70s, where relatively unbureaucratic debut films could be produced. The result was an imaginative and humorous fable cinema that has influenced the entire region to this day. However, the material basis for this in Syria has long been declining and ultimately catastrophic. Few newer productions distinguish themselves strongly from Islamism and also from Western-American influences. The tendency prevailing in Syria and other Arab states to emphasize autonomy and independence can be seen in the feature films (cf. epd 3/2000, p. 26f.). Many Arab films can be seen as harbingers of Arab spring, which is less surprising. Anger has long been the common film language of an entire region. It is astonishing to what extent film predicted the hopes of the revolution. In Egypt, the film community was particularly involved in Tahrir Square and is now part of the post-revolutionary protest movement. Tunisian films have been dealing with the country's problems for a long time. For years there has hardly been a character in Tunisian film who does not desperately yearn to escape from the hopeless life. In Syria, it is above all the gripping The Long Night that is remembered about a political prisoner who, released from prison, dies on his way home. Nevertheless, after the long night, the dawn of dawn is beginning to show how the entire Arab world is liberating itself from its state of paralysis.

Filme in der Liste

FREE ON YOUTUBE Das Mädchen Wadjda - Wadjda (2012) (Rating 8,0) (OmeU) DVD4074

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Haifaa Al-Mansour ist die erste Regisseurin aus Saudi Arabien, die erste, die Mauer des Schweigens zu durchbrechen. Ihr Film, ein Publikumsliebling! Es ist ein Werk, das von Freiheit handelt, aber auch davon, zu siegen! Doch wie wird Wadjda bei uns ankommen mit all seinen Insider-Witzen? Die Geschichte ist charmant. Ein Mädchen, die sich ein Rad kaufen will. Dabei muss sie sich dem Gesetz unterwerfen, sich mehr oder weniger verstecken. Wajdja ist keine reine Komödie. Der Film handelt davon, wie Frauen in Saudi Arabien leben. Dargestellt als Drama, aber eben auch als Satire. Immer wieder gibt es diese Momente, die einerseits brutal sind, aber auch herzerwärmend! Am Ende sehen wir ein Märchen der Hoffnung: Eine kleine Prinzessin aus der Vorstadt von Riyadh.
Liebe Halal - Halal Love (and Sex) (2015) (Rating 6,9) DVD3344

Liebe Halal - Halal Love (and Sex) DVD3344

Ein Film über die Gefühls- und Verlangensfragen in einer islamistischen Gesellschaft. Ein weiteres bitteres Drama? Doch welch Überraschung: Regisseur Assad Fouladkar verpackt das in einer Komödie, die er mit ernsten Untertönen füttert. Parallel erzählt werden einige Episoden aus dem Alltag in Beirut. Eine Frau versucht sich im Haushalt zu entlasten, indem sie eine jüngere Arbeitskraft einstellt. Eine Zweitfrau. Ein Obsthändler beginnt eine Affäre mit einer geschiedenen Frau und ein Mann leidet an krankhafter Eifersucht. All das geschieht im Spannungsfeld islamischer Pflichten und Regeln. Die Moralvorstellungen vs. das eigene Begehren. Leider bleibt das ohne Biss, denn alle Konflikte werden auf vorhersehbare Weise gelöst. Dadurch entfacht der Film nie das, wovon er doch handelt: Emotionale Kraft!
FREE ON YOUTUBE West Beyrouth - West Beyrouth (À l'abri les enfants) (1998) (Rating 7,7) DVD2371

FREE ON YOUTUBE West Beyrouth - West Beyrouth (À l'abri les enfants) DVD2371

West Beyrouth von Ziad Doueiri aus dem Libanon funktioniert genauso wie die klassischen Nouvelle Vague Filme aus Frankreich. Eine sehr unterhaltsame Low Budget Produktion, die klassische Film Genres als Ausgangspunkt nimmt - und damit eine schön provozierende Geschichte erzählt! Im Grunde dreht sich dabei alles um die Komplikationen menschlicher Beziehungen - mit einer Huldigung an die Klassiker aus Hollywood - ABER vor dem Hintergrund der ganz besonderen Situation in Beirut während des Bürgerkriegs in den 70ern. Nouvelle Vague aus dem Libanon!
Capernaum (2018) (Rating 8,5) DVD10549

Capernaum DVD10549

Wie stellt man krasse Armut im Kino respektvoll und realistisch dar - nicht etwa herablassend? Nadine Labaki aus dem Libanon schafft das, indem sie sehr nüchtern erzählt. In Capernaum geht es um den Herzschmerz der Unterprivilegierten. Um Schmerz, der so stark ist, dass WIR ihn förmlich am eigenen Leib spüren können. Labaki tut das nicht grundlos. Sie will nicht die Gefühle derer, die sich gar nicht wehren können für ihren Film ausbeuten. Labakis sachlicher Stil führt dazu, dass es nicht wie Mitleid wirkt. In Capernaum geht es ums Kämpfen. Darum, trotzdem zu kämpfen, obwohl auch der nächste Morgen keine Besserung bringen wird.
wajib

Wajib DVD-

Hier kommen Vater und Sohn im palästinensischen Nazareth auf ihrem Rundgang durch die Grossfamilie zwecks Vorbereitung einer Hochzeit. Dabei gehts vor allem um Tradition, die für sozialen Zusammenhalt sorgt, aber auch als gnadenlose Fessel. Der Architekt Architekt Shadi kehrt zurück aus dem Exil nach Nazareth, um mit seinem Vater die Feierlichkeiten zu planen. So einfach ist das alles nicht, denn Einladungen dürfen nicht per Post zugestellt werden. So müssen Vater und Sohn mit ihrem klapprigen Volvo von Tür zu Tür tingeln und die Verwandten einladen.
The Insult - Der Affront - L'insulte (2017) (Rating 8,5) DVD10473

The Insult - Der Affront - L'insulte DVD10473

Was für ein elektrisierender, was für ein brillanter Film! The Insult taucht als fesselndes Gerichts-Drama ein die die verschiedenen libanesischen Differenzen und beweist, wie kleine menschliche Spannungen zum nationalen Trauma überkochen. Alles ist hier toll, das Schauspiel, das Drehbuch, die Kinematographie! Ziad Doueiri ist gebürtiger Libanese und hat den Bürgerkrieg am eigenen Leib erfahren. Ein mutiger Regisseur, der für seine Arbeit bereits verhaftet wurde (wir haben seit Debüt West Beyrouth DVD2371 bei uns in der Videothek). Als er heranwuchs, strauchelte sein Land während den frühen 80ern in den Bürgerkrieg. Ein Krieg, der den Libanon zerriss.
Cairo 6,7,8 - Kairo 678 - 678 (2010) (Rating 7,4) DVD1390

Cairo 6,7,8 - Kairo 678 - 678 DVD1390

Das ist eine wahre Geschichte. Es geht um die allererste Anklage wegen sexueller Belästigung im modernen Ägypten aus der Sicht dreier Frauen. Es geht auch darum, wie sehr solche Fälle ein Symptom der ägyptischen Gesellschaft sind. Wenn die verheiratete Mutter Fayza in Kairo zur Arbeit fährt, ist das jedes Mal ein Horror Trip. Männer nutzen die enge im Bus, schmiegen sich an sie. Dabei wenden sie den sogenannten Zitronen-Trick an, denn wenn Fayza etwas hartes spürt, dann ist das natürlich nichts anderes als eine Zitrone in der Hosentasche...
Caramel - Sukkar banat (2007) (Rating 7,5) DVD7893

Caramel - Sukkar banat DVD7893

Der Titel Caramel dient als Metapher. Im Libanon benutzen Frauen Caramel zur Haar-Entfernung. Eine bitter-süsse Arznei - genauso wie das Leben an sich! So wie das Leben dieser vier schönen Frauen, die ihre Tage gemeinsam im Schönheits-Salon von Beirut verbringen. Si Belle heisst der Laden und das B hängt schief herunter vom Schild draussen. Etwa so wie der Alltag in Beirut etwas aus den Angeln gerissen anmutet. Es ist das Beirut von Nadine Labaki, das zum Glück nicht aus reinem Elend besteht. Klar gibt's Schlaglöcher in den Strassen, aber eben auch solche Läden wie Si Belle. Caramel ist vor allem eine Feel Good Komödie über Träume und Hoffnungen, aber heimlich auch eine Utopie: Hier, in Beirut leben Moslems und Christen und Orthodoxe und Juden (...) zusammen. Die verschiedensten Religionen und Ethnien. Krieg sieht man nicht in Caramel und das ist auch gut so!
Ajami (2009) (Rating 7,9) (OmeU) DVD2202

Ajami (OmeU) DVD2202

Hier kommt eine Geschichte aus Jaffa, bei der niemand ungeschoren bleibt, weder Juden, noch Araber. Ajami heisst ein Viertel von Jaffa, weit entfernt von den weissen Prachtbauten Tel Avivs. Es ist eine verschachtelte arabische Stadt, die wie gerufen kommt, für eine Familien Fehde mit Vendetta und Verfolgung, vor dem Hintergrund schwelender Feindseligkeit.
Where do we go now - Wer weiss wohin - Et maintenant on va où? (2011) (Rating 7,4) DVD6152

Where do we go now - Wer weiss wohin - Et maintenant on va où? DVD6152

Der Frieden im nahen Osten wäre viel leichter zu erreichen, wenn Frauen regieren würden. Doch die sind in unsichtbare, untergeordnete Rollen degradiert, während die regierenden Männer beweisen wollen, wie "macho" sie sind. Selbst religiöse Konflikte sind grösstenteils von Testosteron angeheizt (nicht durch Theologie). Frauen mögen Fehler haben, doch betrachten sie nicht alles als Prüfung. In Where Do We Go Now, der in der entlegenen Provinz spielt, tun sich die Frauen nun zusammen und schaffen Frieden.

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