Als ich Aaltra für unsere Videothek auspackte, kannte ich nur eine Person, die den Film gesehen hatte: Meinen Partner Skulli. Ich legte die DVD rein und ein Bild genügte: Aaltra war definitiv etwas für mich! Gefilmt in körnigem Schwarzweiss, mit langen ruhigen Einstellungen und lauten Lachern - die sich schliesslich in ein Gefühl von Heiterkeit verwandelten. Gemacht wurde Aaltra von zwei Belgiern, Benoît Delépine und Gustave de Kervern, die auch gleich die Hauptrollen übernahmen. Aaltra ist aber nicht nur lustig und politisch unkorrekt, sondern auch wundervoll konstruiert. Jede Szene zeigt, dass hier zwei Connoisseure bei der Arbeit bestaunt werden dürfen! Die beiden Komödianten beweisen ein Gespür dafür, wo die Kamera platziert werden muss, die Szenen wirken visuell vielschichtig und enden dann, wenn die Pointe zündet. Delépine spielt einen Motocross Fanatiker, der seine Arbeit verlor und von seiner langweiligen Gattin sitzen gelassen wurde. De Kervern, sein Nachbar, ist ein übel launiger Bauer. Beide geraten aneinander, prügeln sich auf einer Mähmaschine der Firma Aaltra. Ein Hebel wird in Gang gesetzt, der beiden die Beine abklemmt. Im Rollstuhl entwickeln sich die bösen Nachbarn zu noch schlechteren Menschen. Sie eint die Vorstellung, dass die Firma Aaltra für diesen Unfall Schmerzensgeld zahlen muss und deshalb rollen sie Richtung Finnland. Delépines düsteres Gesicht verzieht sich zu nackter Verzweiflung, De Kervern sieht aus wie ein erloschener alter Hippie. Aaltra beginnt regelrecht zu schweben, indem er seiner hasserfüllten Ideologie folgt. Die beiden Protagonisten sind gierig, mürrisch und egoistisch - aber sie sitzen im Rollstuhl. Wie alle grossen Werke der Misanthropie rechtfertig Aaltra sich selbst durch diese Tatache! Wir erleben De Kervern bettelnd und bittend auf der Strasse einer Kleinstadt, Fussgänger angreifend - von allen verschmäht - in seinem Stuhl. Immer wieder testen die beiden Rollstuhlfahrer die Grenzen des guten Willens der Bürger um sich herum. Aus ihrer Perspektive sehen wir die Welt als feindseligen Platz für Behinderte. Schliesslich erreichen die Beiden Finnland und müssen eine Entdeckung machen, die genauso ironisch wie gemein ist... Aaltra diente schliesslich im Freiluftkino der Bar 25 als eine Art erweiterter Videoabend und entwickelte sich zu einer der meistverliehenen DVDs der Filmkunst. Nun kannten doch mehr Leute Aaltra und nicht nur mein Partner Skulli. - When I unpacked Aaltra for our video store, I knew only one person who had seen the film: My partner Skulli. I put the DVD in and one picture was enough: Aaltra was definitely something for me! Filmed in grainy black and white, with long quiet shots and loud laughter - which finally turned into a feeling of cheerfulness. Aaltra was made by two Belgians, Benoît Delépine and Gustave de Kervern, who also took on the leading roles. Aaltra is not only funny and politically incorrect, but also wonderfully constructed. Each scene shows that two connoisseurs can be admired at work! The two comedians prove a feeling for where the camera has to be placed, the scenes seem visually multi-layered and end when the punch line ignites. Delépine plays a motocross fanatic who loses his job and is abandoned by his boring wife. De Kervern, his neighbour, is a cranky farmer. The two of them clash, fighting each other on an Aaltra mower. A lever is set in motion that clamps both legs. In the wheelchair, the bad neighbours develop into even worse people. She is united by the idea that the company Aaltra has to pay compensation for this accident and therefore they roll towards Finland. Delépine's gloomy face is transformed into naked despair, De Kervern looks like an extinct old hippie. Aaltra literally begins to float, following his hateful ideology. The two protagonists are greedy, grumpy and selfish - but they are in a wheelchair. Like all great works of misanthropy, Aaltra justifies himself by this fact! We experience De Kervern begging and begging on the street of a small town, attacking pedestrians - spurned by all - in his chair. Again and again the two wheelchair users test the limits of the good will of the citizens around them. From their perspective we see the world as a hostile place for the disabled. Finally the two of them reach Finland and have to make a discovery that is as ironic as it is mean... Aaltra finally served as a kind of extended video evening in the open-air cinema of Bar 25 and developed into one of the most awarded DVDs of film art. Now more people knew Aaltra and not only my partner Skulli.
Kommentare
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Danke für diese schöne und
Danke für diese schöne und auch private Filmbeschreibung. Mir ist so etwas viel lieber als eine akademische Abhandlung. Ich weiß auch noch wie bei euch in der alten Filmkunst das ganze Regal voller Aaltras stand und ihr allen Aaltra mitgegeben habt. Es spielt ja sogar Aki Kurismäki ein Cameo. So wie seine Filme, so empfinde ich auch Aaltra. Der Humor entspricht dem Tempo der Rollstühle, denn jede Pointe wird ganz langsam entwickelt.
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Hilarious! Had almost nearly
Hilarious! Had almost nearly as many laughs the second viewing as I did the first. Loves me a good ol' dark and dead pan comedy. Some of the gags in this stuck with me for days!
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