"Antoine Doinel will die Gesellschaft nicht verändern. Er misstraut ihr, schützt sich vor ihr. Aber er ist voll guten Willens und sucht Anerkennung." (François Truffaut über sein Alter Ego). Hier kommt er also wieder, zum 3 1/2. Mal, denn Truffaut inszenierte zuvor zwei Langfilme und einen Kurzfilm mit Antoine. Der erste, die Kindheit seines Helden, ist ungefähr der von Truffaut selbst nachempfunden, wie er straffällig wurde und durch die Strassen von Paris schlawinerte. Der erste Doinel Film gehört zu den Grundfesten der Nouvelle Vague und veränderte die gesamte Filmwelt über Nacht. Ich erinnere mich aber nicht daran, weil er historisch "wertvoll" ist, sondern weil er so intim, so berührend ist - und diesen Swing hat - den nur Truffaut so hinkriegt! Während die Hollywood Filme der frühen 60er steril wirkten, musste Doinel den Menschen so vorgekommen sein, als ob sie dem Rhythmus des Lebens selbst zusehen durften. Anstatt eines angestrengten Plots, verbringen wir einfach ein bisschen Zeit mit diesem Jungen und seinen ersten Erfahrungen. Es gibt die Art von "Klassiker", den diejenigen, die das Pech haben, Filmwissenschaften zu studieren, zu Tode analysieren. Truffauts Debüt gehört nicht dazu! Sein erster Doinel wirkt immer noch genauso frisch wie in den 60ern! Nach neun Jahren liess Truffaut Jean-Pierre Leaud 1968 dann wieder Antoine Doinel spielen. Wir erleben ihn, wie er verschiedene Jobs und Liebschaften durchprobiert. Im Grunde hat er sich zu einem ganz normalen jungen Mann entwickelt - was verwunderlich ist, denn ich hätte nach dem ersten Doinel Film erwartet, dass er ein ganz besonderer Typ werden müsste! Es kommt anders, er ist zu einem freundlichen jungen Mann um die zwanzig geworden, der nicht anders wirkt als du oder ich. Nun, im dritten Doinel Film ist er sogar ein Bourgeois (wenn auch mit stillen Anarcho Qualitäten)! Er hat Christine geheiratet, das Mädchen, dass ihn im 68er Teil zu einer desaströsen Dinner Party nach Hause einludt. Beide leben in einem schicken Apartment, dass bestimmt Christine eingerichtet hat, direkt über dem Hof, in dem Antoine arbeitet. Offensichtlich fühlt er sich zu keiner normalen Arbeit berufen, färbt Rosen in einem Blumenladen. Truffaut verschafft uns während des Films einen genauen Überblick über diesen Hof. Ist es tatsächlich so, dass hier etwas Merkwürdiges vor sich geht? Und passt Antoine wirklich in dieses Domicile Conjugal? Immerhin beginnt er eine Affäre mit der schönen Japanerin Alas, die sich immerfort bedankt und es fällt Antoine schwer, auf dem Boden zu essen, denn es verursacht bei ihm Beinkrämpfe. Während eines Essens mit Alas ruft er heimlich Christine an (er weist sie aber darauf hin, dass er nicht viel Zeit hätte zu reden und dreht den Spiess der Affäre einfach um). Es scheint, als wäre er bereit für Christine und sie für ihn. Christine wird schwanger und Antoine kennt bereits die Zukunft für seinen Sohn, der es mindestens zum Komponisten schaffen muss. Alles ist bereit für das Happy Ending, wenn die Eheleute nachts nebeneinander im Bett liegen und lesen... Vergleichen wir den ersten Antoine Film mit diesem, wird deutlich, wie sehr sich Truffaut als Filmemacher wandelte. Er hat sich zu einem der freundlichsten und kultiviertesten Autoren entwickelt und die Antoine Reihe zu einer Art Autobiographie ausgebaut (wiederum neun Jahre später sollte er die Serie vollenden). Sie resultiert nicht aus Truffauts Leben, aber aus seiner Kunst. Truffaut liebt offensichtlich das Alltägliche, das ganz normale Leben. Es sind die Kleinigkeiten in Antoines Leben, die ihn faszinieren und das macht Dominicale Conjugal zu einem der unaufdringlichsten und liebenswertesten Filmen, die ich je gesehen habe. - "Antoine Doinel doesn't want to change society. He mistrusts her, protects himself from her. But he is full of good will and seeks recognition." (François Truffaut on his alter ego). Here he comes again, for the 3 1/2th time, because Truffaut staged two feature films and a short film with Antoine. The first, the childhood of his hero, is similar to Truffaut's own childhood, when he was convicted of a crime and wept through the streets of Paris. The first Doinel film belongs to the foundations of the Nouvelle Vague and changed the entire film world overnight. But I don't remember it because it is historically "valuable", but because it is so intimate, so touching - and has this swing - that only Truffaut can do! While the Hollywood movies of the early 60s seemed sterile, Doinel must have seemed to people as if they were allowed to watch the rhythm of life itself. Instead of a hard plot, we just spend some time with this boy and his first experiences. There's the kind of "classic" that those unlucky enough to study film science analyze to death. Truffaut's debut is not one of them! His first Doinel still looks as fresh as it did in the 60s! After nine years Truffaut let Jean-Pierre Leaud play Antoine Doinel again in 1968. We experience him trying out different jobs and love affairs. Basically, he has developed into a very normal young man - which is surprising, because after the first Doinel film I would have expected him to become a very special guy! It's different, he has become a friendly young man in his twenties who doesn't look any different than you or me. Well, in the third Doinel movie he is even a bourgeois (albeit with quiet anarcho qualities)! He married Christine, the girl who invited him home for a disastrous dinner party in part '68. Both live in a fancy apartment that Christine must have furnished, right above the yard where Antoine works. Obviously he doesn't feel called to any normal work, dyes roses in a flower shop. Truffaut gives us an exact overview of this farm during the film. Is it really true that something strange is going on here? And does Antoine really fit into this Domicile Conjugal? After all, he starts an affair with the beautiful Japanese woman Alas, who is always grateful and Antoine finds it hard to eat on the floor, because it causes leg cramps. During a meal with Alas, he secretly calls Christine (but he points out to her that he doesn't have much time to talk and simply turns the tables on the affair). It seems he's ready for Christine and she's ready for him. Christine gets pregnant and Antoine already knows the future for his son, who at least has to become a composer. Everything is ready for the happy ending when the spouses lie next to each other in bed at night and read... If we compare the first Antoine film with this one, it becomes clear how much Truffaut changed as a filmmaker. He has become one of the friendliest and most cultivated authors and has developed the Antoine series into a kind of autobiography (again nine years later he should complete the series). It doesn't result from Truffaut's life, but from his art. Truffaut obviously loves the everyday, the normal life. It's the little things in Antoine's life that fascinate him and that makes Dominicale Conjugal one of the most unobtrusive and endearing films I've ever seen.
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