Irgendwie ist die erste Liebe für jeden gleich. Abdel Kechiche erzählt genau so eine Geschichte der ersten Liebe und des ersten Mals, tut das aber derartig detailliert, dass ein Epos daraus wurde. Wir erleben eine Gir-Meets-Girl Geschichte von sagenhaften drei Stunden! Diese Zeit zieht auch nicht einfach so an uns vorbei. Kechiche, der eine Grafic Novel von Julie Maroh verfilmt, verlangt von uns, sich in jedes Detail einzufühlen. Es gibt unzählige Filme wie diesen, keiner aber wurde derartig ambitioniert und umfassend erzählt! Adele (Adele Exarchopoulos, übrigens die Cousine von unserem DJ Christos Excarchopoulos!) ist eine Schülerin aus der Vorstadt von Lille. Eines Tages erwidert sie den Blick einer Unbekannten (Lea Seydoux) und der trifft sie wie ein Blitzschlag! Die Unbekannte wirkt wie eine Rebellin mit blauem Haar und hält eine andere Frau fest umschlungen. Adele fasst sich ein Herz und sucht die Unbekannte nachts in Clubs - und findet sie tatsächlich! Ihr Name ist Emma, sie ist Kunststudentin und wartet schon bald vor der Schule auf Adele. Emma macht ihr den Hof, aber für Adele ist es nicht leicht, ihren Gefühlen zu folgen. Von den Klassenkameradinnen wird sie beschimpft. Zwischen den beiden Mädchen wächst aber das Begehren und die Wissbegierde: Vor dem ersten Kuss sprechen sie über Sartre. Marivaux stand Pate bei der Geschichte (die wie im Roman in zwei Kapitel untergliedert wird) und die Klassiker haben Regisseur Abdellatif Kechiche bereits in früheren Filmen inspiriert. Bei Marivaux stellt die Entdeckung der Liebe alle sozialen Strukturen in Frage - auch Adele und Emma gehören unterschiedlichen Schichten an. Dass Emma gebildeter ist, reisst aber keine Kluft auf zwischen den Beiden, sondern spornt Adele an. Die Symetrie von Kechiches Film dient dazu, dass Adele alle wichtigen Erfahrungen zwei Mal machen kann, angefangen mit dem ersten Kuss, den sie einer Frau schenkt. Ganz langsam wird die erste Liebesnacht vorbereitet, doch bis dahin, stellt der Film eine Intensität her, dass wir meinen, Adele schon gut zu kennen. Das Glück der Beiden wird als einziger Rausch festgehalten und zum Glück schenkt Kechiche diesem Genuss weite Passagen in La vie d'Adele! Emma und Adele lieben sich, dann essen sie Austern und trinken Champagner. Schnitt. Ein paar Jahre sind vergangen, beide wohnen zusammen. Adele hat sich ihren Traum erfüllt und arbeitet als Lehrerin, Emma malt. Doch ein Seitensprung erschüttert die Beziehung, in der bereits zuvor langsam die Leidenschaft entwichen war... Seit La vie d'Adele die Goldene Palme in Cannes gewann und sich die Darstellerinnen über die miesen Arbeitsbedingungen beschwerten, ist es fast nebensächlich geworden, über den Film an sich zu diskutieren: Ja, Kechiche zeigt eine lesbische Liebesgeschichte aus männlich heterosexueller Perspektive. Ja, wir erleben zwei ausserordentlich attraktive Mädchen im Bett. Es ist doch aber ein Unterschied, die gesunde Liebe zweier Mädchen zu zeigen, als darüber anzüglich zu grinsen! Dieser Vorwurf trifft Kechiche nicht! Sein Film wirkt auf mich auch nicht wie eine Provokation, sondern einfach wie ein Manifest der Liebe! Ganz egal, wer hier wen liebt! Wie bemerkt: Die erste Liebe ist für jeden gleich. - Somehow, first love is the same for everyone. Abdel Kechiche tells exactly the same story of the first love and the first time, but does it in such detail that it became an epic. We are experiencing a Gir-Meets-Girl story of fabulous three hours! This time doesn't just pass us by. Kechiche, who films a graphic novel by Julie Maroh, requires us to empathize with every detail. There are countless films like this, but none of them have been told in such an ambitious and comprehensive way! Adele (Adele Exarchopoulos, by the way the cousin of our DJ Christos Excarchopoulos!) is a student from the suburb of Lille. One day she answers the gaze of a stranger (Lea Seydoux) and he hits her like a lightning bolt! The stranger looks like a rebel with blue hair and holds another woman tightly entwined. Adele takes heart and looks for the stranger at night in clubs - and actually finds her! Her name is Emma, she is an art student and will soon be waiting for Adele in front of school. Emma courts her, but it's not easy for Adele to follow her feelings. The classmates insult her. But the desire and curiosity grows between the two girls: before the first kiss they talk about Sartre. Marivaux was the inspiration for the story (which, as in the novel, is divided into two chapters) and the classics have already inspired director Abdellatif Kechiche in earlier films. With Marivaux, the discovery of love questions all social structures - Adele and Emma also belong to different classes. The fact that Emma is more educated, however, does not widen the gap between the two, but spurs Adele on. The symmetry of Kechiche's film serves to enable Adele to have all the important experiences twice, starting with the first kiss she gives a woman. Very slowly the first night of love is prepared, but until then, the film creates an intensity that we think we already know Adele well. The happiness of the two is recorded as the only intoxication and fortunately Kechiche gives this pleasure wide passages in La vie d'Adele! Emma and Adele make love, then they eat oysters and drink champagne. Cut. A few years have passed, the two live together. Adele has fulfilled her dream and works as a teacher, Emma paints. But a fling shakes the relationship, in which the passion had already slowly escaped before... Since La vie d'Adele won the Golden Palm at Cannes and the actresses complained about the poor working conditions, it has become almost irrelevant to discuss the film itself: Yes, Kechiche shows a lesbian love story from a male heterosexual perspective. Yes, we're seeing two exceptionally attractive girls in bed. But it is a difference to show the healthy love of two girls than to sneer at it! This accusation does not strike Kechiche! His film doesn't seem like a provocation to me either, but simply like a manifesto of love! No matter who loves who here! As noted: First love is the same for everyone.
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Mein persönlicher Film des
Mein persönlicher Film des Jahres 2014. Faszinierender, Intensiver Film, vor allem dank der beiden Hauptdarstellerinnen. Eine solche Natürlichkeit wie im Spiel von Adele Exarchopoulos sieht man im Kino selten.
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