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Le cercle rouge
Mi, 31/07/2013 - 12:22

Für die Geschichtsbücher endete der Film Noir in seiner klassischen Ausprägung Ende der 50er mit Orson Welles Touch of evil. Da Filmhistorie mit vermeintlich eindeutigen Schnitten aber blosse Theorie ist, wandelte er sich in Wahrheit ständig, trat in Form von Melvilles Gangsterfiguren in den 50ern wieder auf und schien auch Hitchcocks perversen Vertigo zu motivieren, der hoffnungslos der Vergangenheit verfallen ist. Die Nouvelle Vague hegte grosse Sympathien für den Film Noir, weil die Filme billig und schnell produziert wurden, also nichts mit dem französischen „Qualitätskino“ eines Rene Clement zu tun hatten. Genauso waren die selbsternannten Autorenfilmer der New Hollywood Erneuerung Fans des Film Noir, Robert Altmans The long good bye, John Boormans Point blank und vor allem Roman Polanskis Chinatown beweisen das. Polanskis Noir ist Zitatenkino, das belegt auch der Auftritt von John Huston, dem Vater des Film Noir. Polanski erneuert aber auch, denn Chinatown liebt die gleissende Sonne und ist derartig komplex, dass sogar The big sleep auf seine Plätze verwiesen wird. Walter Hills Driver ist ein später Film der New Hollywood Bewegung und ästhetisiert bereits das Kino der 80er. Driver ist ein Neon Noir und fast schon postmoderne Schablone. Alles scheint irgendwie bekannt zu sein und funkelt doch ganz neu. Oberflächenglanz ersetzt so etwas wie Tiefenpsychologie der Figuren in Driver, sogar Isabelle Adjani darf nicht spielen, sondern posiert. Die Essenz des Film Noir war eben immer vor allem seine düstere Ästhetik. - For the history books, the film Noir in its classic form ended in the late 50s with Orson Welles Touch of evil. Since film history with supposedly unambiguous cuts is mere theory, it actually changed constantly, reappeared in the form of Melville's gangster figures in the 50s and also seemed to motivate Hitchcock's perverse vertigo, which has hopelessly fallen into the past. The Nouvelle Vague had great sympathies for the movie Noir because the movies were produced cheaply and fast, so they had nothing to do with the French "quality cinema" of a Rene Clement. The self-proclaimed auteur filmmakers of the New Hollywood renewal were also fans of Film Noir, Robert Altman's The long good bye, John Boorman's Point blank and above all Roman Polanski's Chinatown. Polanski's Noir is a cinema of quotations, as the appearance of John Huston, the father of the film Noir, proves. But Polanski also renews, because Chinatown loves the glistening sun and is so complex that even The big sleep is referred to its place. Walter Hills Driver is a late film of the New Hollywood movement and already aestheticizes the cinema of the 80s. Driver is a neon noir and almost postmodern template. Everything seems to be known somehow and yet sparkles in a completely new way. Surface gloss replaces something like depth psychology of the figures in Driver, even Isabelle Adjani is not allowed to play, but poses. The essence of Film Noir has always been its dark aesthetics. 

Filme in der Liste

Le cercle rouge

The Red Circle - Vier im roten Kreis - Le cercle rouge (OmeU) DVD4040

Es ist, als ob sie die Strassen von Paris entlang gleiten. Männer mit Hut und Trenchcoat. Ein Ballett des Verbrechens. Paris ist nass und kalt, denn wir befinden uns in einem Film von Jean-Pierre Melville einer Welt voller Gangster und Cops, für die Rauchen genauso natürlich ist wie Atmen. Eine Welt voller Colts, Lügen und Gier. Regiert wird sie durch einen Ehren-Codex, bei dem es unerheblich ist, auf welcher Seite des Gesetzes man steht. Die Welt wird durch die Verhaltensregeln unter denen, die nach dem Code leben, zusammengehalten. Jean-Pierre Melville beobachtet diese Männer, ja sorgt sich um sie. link trailer
Vertigo

Vertigo DVD922

Ob er sie trainiert hat? Mit ihr geprobt? Ob er ihr zeigte, was sie zu tun und zu sagen hätte? Ein tief verwundeter Mensch stellt diese Fragen in Hitchcocks Vertigo. Ein Mensch, mit dem wir sympathisieren. Es ist ein Mann, der eine Frau liebte, die nicht existiert. Nun fragt er verzweifelt die Person, die sie verkörperte. Diese echte Frau aber, liebt ihn! Sie hat ihn betrogen und damit sich selbst. - Vorsicht Spoiler! - Er, der seinen Traum der Realität vorzog, wird beide verlieren... link trailer
Point blank

Point Blank DVD9989

"I want my money back"; das ist der zentrale Satz in Point Blank. Etwa 15 Mal hören wir das von Lee Marvin, nachdem die Organisation sein Geld nahm. Einem nach dem Nächsten sucht er auf. "I want my money back". Er bekommt nichts und tötet die Männer. Dennoch: Sein Geld bekommt er nie. Einmal wird er gefragt, ob er die ganze Organisation um die Ecke bringen will wegen lumpiger 93.000 Dollars. Immerhin hat er an diesem Punkt schon einige Profikiller umgelegt. Die Frage scheint rhetorisch, rüttelt aber an einem wichtigen Punkt: Glaubt er tatsächlich, er könnte so sein Geld wiederbekommen? link trailer
The Long Goodbye

Der Tod kennt keine Wiederkehr - The long goodbye DVD6805

Robert Altmans The Long Good Bye greift den klassischen Film Noir auf und analysiert ihn. Was macht einen Film Noir aus? Spontanität, reichlich Perversion und eine gewissen Sprunghaftigkeit im Erzählen. Schliesslich waren die Vorbilder billige und schmutzige B-Movies. Ich erinnere mich an ein Interview mit Robert-Mitchum, der erklärt, um einen Cary-Grant Film zu bezahlen, bräuchte es fünf Billig-Filme mit ihm. Oder mir fällt das Interview mit Raymond-Chandler ein, in dem man ihn fragt; wer denn nun der Mörder ist. Er wusste es auch nicht. Ein ähnliches Labyrinth stellt das Drehbuch von The Long Good Bye dar. link trailer
Le samourai

Der eiskalte Engel - Le samourai (OmeU) (Code 1) DVD4378

Als ich die Filmkunstbar Fitzcarraldo dekorierte, musste ich an den Vogelkäfig aus Le Samourai denken. Ein Bild so stark, dass es offensichtlich die Idee begründete, eine Bar mit Film-Zitaten auszustatten. Melvilles Werk liebt solche Details: Ein leerer Raum. Nein, nicht ganz leer. Im Schatten sehen wir einen Mann, auf seinem Bett liegend. Er steckt sich eine Zigarette an. Rauch steigt durch das geöffnete Fenster. Nach einer Weile steht der Mann auf, kleidet sich an. Er nimmt seinen Hut, verlässt den Raum, tritt hinaus auf die Strasse. Wie ein Musiker, ein bildender Künstler, ist Jean-Pierre Melville in der Lage, mit wenigen Pinselstrichen dieses Szenario zu skizzieren. Kein Wort wird bis dahin gesprochen. link trailer
Chinatown

Chinatown DVD462

"Are you alone?" - "Isn't everybody?"; antwortet der Privatdetektiv. Die Helden des Film Noir waren immer einsam. Sie decken die Geheimnisse von Fremden auf, während sie vor ihren eigenen davonrennen. Das ist der Typus des Film Noir: Ein Mann, der die ganze menschliche Tragödie besetzt, um zu leben. Die klassischen Helden des Film Noir sind aber nicht zwingend kalt. Sie tarnen sich unter der Maske des Romantikers, die es ihnen erlaubt, sich in schlechte Frauen zu verlieben. Böse Frauen. Sie sind viel sensibler und auch intelligenter als es an sich nötig wäre für ihren Job. link trailer
The Driver

The Driver - Driver DVD262

Keine der Figuren in Walter Hills The Driver verdient einen Namen. Ryan O'Neil ist The Driver, Isabelle Adjani The Player und Bruce Dern The Detective. Da keine der Figuren einen Namen trägt, kann man auch nicht von Charakteren sprechen, vielmehr stellen sie Symbole dar. The Driver ist der beste Fluchthelfer für Banküberfälle, The Detective der beste Cop. Die mysteriöse Frau in schwarz mit der Bezeichnung The Player scheint beide Seiten gegeneinander auszuspielen zu ihrem eigenen Vergnügen. The Driver lebt in schäbigen Verhältnissen und interessiert sich wohl kaum für die Bezahlung, nur für seine Funktion. link trailer
Barocco

Barocco (OmeU) DVD2681

Verwirrendes Vexierspiel von André Téchiné mit Isabelle Adjani und Gérard Depardieu. link trailer

Kommentare

Eure letzten Kommentare
ralf_schlueter
Fr, 19/12/2014 - 01:56

So gross wie in den 80ern ist

So gross wie in den 80ern ist die Auswahl nicht. Vermutlich war der klassische Film Noir noch nicht lange genug her, um wieder Retro zu werden. Echt Spass macht Zhe Driver (wer denkt da nicht an Drive)

Filmkunstbar Fitzcarraldo
Fr, 23/01/2015 - 17:32

Zumindest sind mir nicht so

Zumindest sind mir nicht so viele eingefallen wie in den 80ern. Melville ist ja nun auch nicht klassisch Noir

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