I'm Not There ist der Versuch, die Widersprüche des Bob Dylan zu betrachten, indem der Film ebensolche Widersprüche konstruiert. Nicht ein Schauspieler spielt Dylan, sondern sechs (darunter sogar Cate Blanchett). Vielleicht handelt sichs bei I'm Not There um das erste schizophrene Biopic. Bob Dylan hat alles Mögliche versucht, seine Spuren zu verwischen, um ihn nicht auf ein Image fest zu setzen. Wer sich nie eingehender mit ihm beschäftigt hat, den mag I'm Not There verwirren. Diejenigen, die versucht haben, Bob Dylan und seine verschiedenen Gesichter bzw. Karriere-Schritte zu verfolgen, werden erkennen, welches Risiko Todd Haynes mit seinem Film eingeht. I'm Not There ist ein Remake, aber eines, dass genau enthüllt, wie solch ein Remake eigentlich funktioniert: Im Grunde stellt Haynes Film vorige Dylan Dokus bloss in ihrem Versuch, dem Künstler Dylan eine Beständigkeit aufzuerlegen, die er gar nicht hat. Wo Chaos herrscht, versucht Haynes nicht, es zu verbergen. Ein schwarzer Junge (Marcus Carl Franklin), ein Greenwich Folk Sänger (Christian Bale), ein Hollywood Schauspieler (Heath Ledger), eine Musikerin, die die akkustische Gitarre gegen eine elektrische tauscht (Cate Blanchett), ein Schauspieler, der Billy The Kid darstellt (Richard Gere), ein zänkischer Interview-Partner (Ben Whishaw) und ein wiedergeborener Christ (wiederum Christian Bale) - sie alle sind Dylan. Dabei wird kein Versuch unternommen, diese verschiedenen Dylans irgendwie miteinander zu verknüpfen. Fans werden mit Sicherheit erkennen, welcher Dylan in welcher Phase seiner Karriere nun gemeint ist, so stellt Bale den ganz jungen Sänger dar und Richard Gere den Schauspieler Dylan aus Pat Garrett & Billy the Kid (obwohl der Sänger nicht Billy The Kid verkörperte). Wiewohl man die Dylan Darsteller einzelnen Kapiteln im Leben des Originals zuordnen kann, so fällt es auch nicht schwer zu erkennen, dass Julianne Moore Joan Baez ist und Charlotte Gainsbourg Dylans erst Frau gibt. I'm Not There ist kein Portrait des Künstlers, sondern der verschiedenen Wahrnehmungen von ihm. Sechs Schauspieler spielen sieben Facetten eines Mannes, dazu hören wir seine Songs, die für den Film freigegeben wurden. Todd Haynes Collage ist näher dran am Original als so manches andere Biopic. - I'm Not There is an attempt to look at Bob Dylan's contradictions by constructing such contradictions in the film. Not one actor plays Dylan, but six (including even Cate Blanchett). Maybe I'm Not There is the first schizophrenic biopic. Bob Dylan has tried everything possible to cover his tracks in order not to put him on a fixed image. If you've never dealt with him in more detail, I'm Not There might confuse you. Those who have tried to follow Bob Dylan and his different faces and career steps will realize the risk Todd Haynes takes with his film. I'm Not There is a remake, but one that reveals exactly how such a remake actually works: Basically, Hayne's film exposes previous Dylan documentaries in their attempt to impose on the artist Dylan a permanence that he doesn't have at all. Where there's chaos, Haynes doesn't try to hide it. A black boy (Marcus Carl Franklin), a Greenwich folk singer (Christian Bale), a Hollywood actor (Heath Ledger), a musician swapping the acoustic guitar for an electric one (Cate Blanchett), an actor playing Billy The Kid (Richard Gere), a quarreling interview partner (Ben Whishaw) and a born-again Christian (Christian Bale again) - they're all Dylan. There is no attempt to link these different Dylans somehow. Fans will surely recognize which Dylan is meant in which phase of his career, so Bale represents the very young singer and Richard Gere the actor Dylan from Pat Garrett & Billy the Kid (although the singer didn't impersonate Billy The Kid). Although the Dylan actors can be assigned to individual chapters in the life of the original, it's not hard to see that Julianne Moore is Joan Baez and Charlotte Gainsbourg is Dylan's first wife. I'm Not There is not a portrait of the artist, but of the different perceptions of him. Six actors play seven facets of a man, and we hear his songs, which were released for the film. Todd Haynes Collage is closer to the original than many a biopic.
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Als jemand, der absolut
Als jemand, der absolut nichts über Bob Dylan weiß und sich auch niemals groß für diese Person interessiert hat (außer in manchen Momenten, in denen mich das große Verlangen überkam ihm seine Mundharmonika kreuzweise in d..ÄHEM), erscheint es mir sehr schwierig "I'm not There" zu bewerten, beziehungsweise überhaupt anzusehen und richtig zu verstehen. Der vollkommen unwissende Zuschauer ist sich nichtmal der Erzählstruktur oder der Zuordnung massiver Charakterballungen sicher, beides Faktoren, die sich bis zum Ende des Films nicht wirklich auflösen, und dann immerdar die ständige Untermalung von Singergesongwritere. Nichts wird wirklich erklärt oder aufgelöst. All diese Dinge, dazu noch mit einer leichten Dylanabneigung (oder Überdruss) gekoppelt, könnten schnell nerven oder gegen diesen Film sprechen, mir hat aber gerade diese eher offenere Form gefallen. Ich mag es, nicht einfach an einer simplen Storyline entlanggeführt zu werden, ich mag es, überrascht zu werden und "I'm Not There" bietet nicht nur vielschichtige Erzählstränge und Stoff zum Nachdenken, sondern auch (jedenfalls für mich) die sogenannten "WTF"-Momente, in denen ich wirklich nicht weiß was gerade los ist. Ich habe das Gefühl alles ist möglich und ich weiß absolut nicht, wohin das alles führen wird. Dabei gefallen mir die Episoden mit Richard Gere und Cate Blanchett (natürlich) am meisten.
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