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Maitresse
Mo, 05/08/2013 - 13:13

Der zweite Anlauf der Nouvelle Vague in den frühen 70ern kann man als Ein-Mann-Nouvelle Vague bezeichnen: Es ist das Jahrzehnt von Gerard Depardieu. Während sich in Frankreich Godard mit Experimentalfilmen zurückzieht und Truffaut ein grosses Publikum anvisiert, tauchen neue Querköpfe wie Bertrand Blier und Barbet Schroeder auf. Les valseuses von Blier mit Depardieu ist der Startschuss für ein neues Kino, in dem alles möglich ist. Zwei Kleingauner sind permanent auf der Flucht. Sie nehmen eine frigide Blondine mit und versuchen, erfolglos, sie zum Orgasmus zu bringen. Der Humor von Les valseuese beruht aber nicht einfach nur auf Provokation, der Film ist warmherzig und swingt, ganz so wie Jules et Jim oder Bande à part. Schroeder gelingt mit Maitresse ein Popart Meisterstück. Die Liebesgeschichte zwischen einem Einbrecher (Depardieu) und einer Domina in Allen Jones` Set Design mit den Kostümen von Karl Lagerfeld ist eine wieder zu entdeckende Perle! Aus Polen emigriert Andrzej Żuławski, der sich mit hysterisch obsessiven Filmen eine Fangemeinde erspielt. Klaus Kinski und Romy Schneider in C'est important d'aimer und Isabelle Adjani in Possession agieren theatralisch und irritierend. Possession ist Kafka pur vor der Berliner Mauer, Adjanis grenzwertiges Spiel macht aus der gewalttätigen Tour de force reine Kunst. In Italien rücken Marco Ferreri, Lina Wertmueller und Ettore Scola nach. Ferreris Dillinger è morto (Dillinger ist tot) hält dem Zuschauer einen Spiegel vor, er sieht sich selbst, gar nicht so sehr das Geschehen. Ohne ihn nachzuahmen, ist Ferreri ein guter Bunuel und sein surreales Meisterstück einer seiner ganz wenigen Filme, gegen die es keine grosse Opposition gibt. Le grande bouffle (Das grosse Fressen) ist sein umstrittenster und berühmtester Film. Eine Endzeit Parabel, in der sich vier gestandene Männer zu Tode fressen. Ein Rausch an Verdauungsstössen und Blähungen. Lina Wertmueller ist berüchtigt durch ihre italienische Trilogie. Nord und Süd, Kommunisten und Kapitalisten, Frauen und Machos, alles wird ordentlich verrührt zu Exzess Satire. Swept away (Travolti da un insolito...) zeigt Mann und Frau abgetrieben auf einer einsamen Insel im Kampf der Geschlechter: Er wähnt sich unbestechlich, auch nicht durch Sex (obwohl er sie später vergewaltigt) und lässt die Blondine seine Socken waschen. Wertmueller wendet diese Ausgangssituation zum Pathos der Liebe. Alles, was Wertmueller anfasst, gelingt ihr überlebensgross. Ihr Humor ist zum Brüllen komisch, ihre Tragik immer melodramatisch, die Gewalt exzessiv. Scolas Brutti, sporchi e cattivi bringt alles auf einen Nenner: Eine elende Grossfamilie in einem Slum, die sich für eine Versicherungsprämie bereit ist zu töten. Das Kino der 70er ist ganz nebenbei sehr moralisch, was hinter der Oberfläche aus Sex, Gewalt und Schabernack oft verschwimmt. Moral und Spass – wann hat es das zuletzt gegeben?! - The second attempt of the Nouvelle Vague in the early 70s can be called a one-man Nouvelle Vague: It's Gerard Depardieu's decade. While in France Godard withdraws with experimental films and Truffaut targets a large audience, new crossheads like Bertrand Blier and Barbet Schroeder emerge. Les valseuses by Blier with Depardieu is the starting shot for a new cinema in which everything is possible. Two little rascals are permanently on the run. They take a frigid blonde with them and try, unsuccessfully, to bring her to orgasm. But the humour of Les valseuese is not simply based on provocation, the film is warm and swinging, just like Jules et Jim or Bande à part. Schroeder succeeds with Maitresse, a pop art masterpiece. The love story between a burglar (Depardieu) and a dominatrix in Allen Jones` Set Design with the costumes of Karl Lagerfeld is a pearl to be rediscovered! Andrzej emigrates from Poland to Żuławski, where he plays hysterically obsessive films to gain a fan base. Klaus Kinski and Romy Schneider in C'est important d'aimer and Isabelle Adjani in Possession act theatrically and irritatingly. Possession is Kafka pure in front of the Berlin Wall, Adjani's borderline game turns the violent tour de force into pure art. In Italy, Marco Ferreri, Lina Wertmueller and Ettore Scola move up. Ferreri's Dillinger è morto (Dillinger is dead) holds a mirror up to the viewer, he sees himself, not so much what's happening. Without imitating him, Ferreri is a good Bunuel and his surreal masterpiece is one of his very few films against which there is no great opposition. Le grande bouffle (The Big Eat) is his most controversial and famous film. An end-time parable in which four men eat each other to death. A rush of digestive thrusts and flatulence. Lina Wertmueller is notorious for her Italian trilogy. North and south, communists and capitalists, women and machos, everything is properly stirred into excess satire. Swept away (Travolti da un insolito...) shows man and woman aborted on a deserted island in the battle of the sexes: He thinks himself incorruptible, not even through sex (although he rapes her later) and lets the blonde wash his socks. Wertmueller turns this initial situation into the pathos of love. Everything Wertmueller touches, she succeeds in doing larger than life. Her humour is funny to the roar, her tragedy always melodramatic, her violence excessive. Scolas Brutti, sporchi e cattivi brings everything down to one common denominator: a wretched extended family in a slum that is prepared to kill itself for an insurance premium. The cinema of the 70s is, by the way, very moral, which often blurs behind the surface of sex, violence and mischief. Moral and fun - when was the last time?! 

Filme in der Liste

Love and anarchy - Film d'amore e d'anarchia, ovvero 'stamattina alle 10 in via dei Fiori nella nota casa di tolleranza...

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Ein römisches Puffzu Zeiten des italienischen Faschismus! Wer Lina Wertmüller noch nie gesehen hat, muss das jetzt unbedingt nachholen!!!
Trio infernal

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Francis Girod lotet mit Freude die Grenzen der Zensur aus! Mit Michel Piccoli und Romy Schneider
The seduction of Mimi – Mimì metallurgico ferito nell'onore

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Etwas weniger Schock und etwas mehr Komödie! Lina Wertmüllers erster Erfolg!
Swept away – Travolti da un insolito destino nell'azzurro mare d'agosto

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Mann gegen Frau, abgetrieben auf einer einsamen Insel. Das Provozierende an Lina Wertmüllers grandiosem Film ist die pathetische Liebesgeschichte! Mit dem tollen Paar Giancarlo Giannini und Mariangela Melato
Preparez vos mouchoirs

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Bertrand Blier schaffts, die hohen Erwartungen an seinen zweiten Film nicht zu enttäuschen! Wirkt ungeheuer leicht und locker!!!
Maitresse

Maitresse

Barbet Schroeders wild romantische Liebesgeschichte eines Einbrechers und einer Maitresse ist vor allem grandios ausgestattet in Lack und Leder!
Les valseuses

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Bertrand Blier holt mit der besten Laune und unglaublicher Ideen die Nouvelle Vague zurück! Mit dem jungen Gerard Depardieu!
Das wilde Schaf – Le mouton enrage

Das wilde Schaf – Le mouton enrage

Schöne Sauerei von Michel Deville mit einer Reihe von Stars wie Romy Schneider und Jane Birkin!
Das grosse Fressen – La grande bouffe

Das grosse Fressen – La grande bouffe

Das Ende der Zivilisation, wenn sich die Herren Marcello Mastroianni, Michel Piccoli und Philippe Noiret gepflegt zu Tode fressen. Von Provokateur Marco Ferreri
Nachtblende: C'est important d'aimer

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Der Durchbruch von Andrzej Zulawski geht gleich an die Grenzen des Kinos! Mit Romy Schneider und Klaus Kinski
Canterbury tales – I racconti di Canterbury

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Mal erotisch, mal gewalttätig, in jdem Fall extraordinär! Von Pier Paolo Pasolini
Brutti, sporchi e cattivi

Brutti, sporchi e cattivi

Die Mordpläne der Mitglieder einer prekären Familie gegeneinander. Abgrundtief schändliche Komödie von Ettore Scola
Berühre nicht die weisse Frau – Touche pas à la femme blanche

Berühre nicht die weisse Frau – Touche pas à la femme blanche

Ein absurder Western von Marco Ferreri, der offensichtlich in einer Pariser Baugrube spielt. Mit Marcello Mastroianni, Catherine Deneuve und Michel Piccoli
Affentraum – Ciao maschio

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Was für ein endzeit Szenarion: Ein Mann, allein am Strand von New York findet King Kongs Leiche. Von Marco Ferreri mit Gerard Depardieu

Kommentare

Eure letzten Kommentare
Dietlinde.S
Mi, 16/09/2015 - 11:59

eine wunderbare liste, die es

eine wunderbare liste, die es weit und breit im netz nicht so gibt. ganz herzlichen dank!

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