Tom Hardy
Sieg des Matriarchats – Off Road Chick Flick – die andere Kritik. Spoiler Alarm!
Von Regisseur George Miller, der uns zuletzt mit Werken wie „Happy Feet“ (2006) und Happy Feet 2“ (2011) beglückte, kommt der Film, mit dem niemand gerechnet hat. Nach der beschämenden „Donnerkuppel“ (1993), dem dritten und letzten Film der Mad Max Serie mit Mel Gibson, scheint Miller nicht mehr viel Herzblut ins Filmen gesteckt zu haben. Stattdessen, so scheint es, hat er viel Zeit im berühmten Stillen Kämmerlein verbracht, seine dystopische Trilogie analysiert, und mit aller Liebe zu einem Neuen Werk verdichtet. Während er tagsüber als Anstreicher arbeitet, bastelt er abends an einem Picasso oder besser einem Caspar David Friedrich. Miller lässt es reifen wie einen guten Wein. Heraus kommt nicht weniger, als ein Meilenstein des Actionfilms, der lange seines Gleichen suchen wird.
Eine glaubwürdige Dystophie mit glaubwürdig handelnden Charakteren. Dabei voller gelungener (Pop)-kultureller und mythologischer Referenzen. Zugegeben, dessen bedient sich Hollywood oft – Mad Max ist eine popkulturelle Referenz in itself – aber selten so stimmig. Die Action, wenig CGI-lastig, phantasievoll (Der Kampf von Max und Warboy an der Kette mit der Autotür), selten zynisch oder sadistisch. Selbst der Bösewicht sorgt sich um seine Untergebenen mit hängenden Gärten etc. und trauert um seinen totgeborenen Sohn.
Da Mad Mel nicht mehr zur Verfügung stand war Tom Hardly-in-the-Movie (Screen Junkies Honest Trailer on YouTube), siehe seine Filmographie, die logische Wahl. Hardys Bewegungen, Mimik und Stimme sind perfekt. Das Bullterier-artige, was ihn schon in „Bronson“ (2008) hat glänzen lassen, gibt der Rolle des Max Rockatansky die Glaubwürdigkeit. Die ersten 45 Minuten ist er mit Heavy Metal Mundschutz Kühlerfigur einer Warboy-Hot-Weels-Karre. Die restliche Stunde sagt er auch nicht viel. Aber Max ist auch nicht der Held des Films.
Das sind die Frauen! Am Anfang nur in der Figur der Furiosa (Charlize Theron, bekannt für Action-Gülle a la „Aeon Flux“, die aber auch Mal schnell (und zu recht) 2003 den Oscar für „Monster“ abräumte). Mit nur einem Arm und Glatze fährt sie den Truck und ist Dreh- und Angelpunkt der Geschichte. Bald taucht eine Handvoll Nymphen aus dem Bauch des Tanklasters auf (Geburt der Schwangeren – für das Bild brauche ich noch eine Erklärung. Kommentare erwünscht). An der Stelle hatte ich kurz die Befürchtung der Film könne kippen. Aber in Fury Road gibt es kein blondes Schönchen, dass den Helden anschmachtet, and no text but screams. In den ersten ruhigen Minuten nach einer halben Stunde furioser Action findet tatsächlich Character-Developement statt! Die Nymphen sind schwanger und packen mit an. Aber es ist auch der Motor Hoffnung, den eine solcher Geschichte braucht, in seiner Reinform (siehe „Children of men“ 2006). Die vielleicht etwas übersexualisierte Darstellung der (Wasser)-Nymphen wird bald ausgeglichen durch das Auftauchen eine Horde Flintenweiber in den Besten Jahren (Wald-Nymphen – sie habe Samen dabei!). Gemeinsam, als fahrende multiage Hippiekommune wollen sie nun das Weite suchen, diverse Verfolger auf den Fersen. Hier tritt Mann (für irgendwas sind wir dann auch noch gut), in Gestalt des Max doch einmal entscheidungstragend auf, als er die Gruppe zur Umkehr bewegt.
Für etwas Liebe ist auch noch Zeit. Ein Warboy und eine Nymphe verlieben sich. Auch das muss sein in diesem Film. Die Liebe hat nicht viel Raum, wirk aber auch nicht aufgesetzt. Am romantischsten, als Warboy einen Käfer von der schlafenden Geliebten pflückt und isst.
Max verdingt sich im weiteren Verlauf als fleißiges Helferlein der Gruppe und als am Ende die Zitadelle befreit ist und die Frauen den Thron besteigen, verschwindet er in der jubelnden Menge. Der Silver Surfer muss seine Bahn alleine ziehen.
Ein Sieg des Matriarchats!
Kommentare
Eure letzten Kommentare
Bitte erst lesen, dann schrei
Bitte erst lesen, dann schrei(b)en. Deine Kritik, leolauos, zielt am Kern vorbei.
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Ein Chick Flick? Die Töchter
Ein Chick Flick? Die Töchter werden doch hier auch nur eingeladen, damit was Schönes hinten im Truck sitzt...
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