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The Triplets of Belleville
Sa, 02/01/2016 - 12:28

Seit den Anfängen des Kinos gibt es Animationsfilme - und sie waren keineswegs immer Familienunterhaltung. Zuletzt wagte sich der wehmütige Puppenspieler Charlie Kaufman auf das Terrain mit Anomalisa, indem er seine Puppen einfach mit einem 3D Drucker herstellte. Zuvor inszenierten Autorenfilmer wie Wes Anderson (The Fantastic Mr. Fox), Tim Burton (Corpse Bride), Richard Linklater (Waking Life, A Scanner Darkly) oder Todd Haynes (Superstar) Trickfilme. Vorzugsweise griffen sie auf altmodische Techniken wie das Verfahren des Stop Motion zurück. Todd Haynes spielte die Lebensgeschichte einer Sängerin sogar mit Barbie Puppen nach. Inhaltlich wie auch stilistisch versuchten sie sich von der Glätte etwa der grossen Disney Produktionen abzusetzen. Vorbilder waren Pioniere wie Jan Svankmajer oder die Quay Brothers. Es wohnt dabei ein Moment des Umsturzes inne, fast so als würde ein Genre gekapert werden! In Wahrheit aber handelt sichs um eine Rückeroberung, denn der Trickfilm hatte nie die unausweichliche Bestimmung, nur für Kinder da zu sein. Die Vorgeschichte: Emile Reynauds "Optisches Theater" oder die Tricks des Magiers Georges Melies. Die 20er stellten in Europa die Epoche des experimentellen Animationsfilms dar. Oskar Fischinger, Julius Pinschewer und Walter Ruttmann eroberten das Zusammenspiel von abstrakten Formen und Musik. Selbst Walt Disney versuchte sich mit seinem legendären Fantasia Misserfolg darin (um anschliessend keine Experimente mehr zu wagen). Bis zu Beginn der 70er waren die Animationen für Erwachsene eine Domäne des Kurzfilms. Ralph Bakshis Umsetzung der Fritz The Cat Comics von Robert Crumb aber brach nicht nur mit einer ganzen Latte an Tabus, sondern darf auch als echte Pionierleistung gelten! Rissiger, schmutziger, verstörender konnte Bildsprache nicht sein! Rene Laloux und Roland Topor kündigten mit La planète sauvage (Fantastic Planet) einen Zyklus von dystopischen Fantasy/Science Fiction Filmen an. Bakshis Wizards (Die Welt in 10 Millionen Jahren) ist so eine Endzeit-Vision. When the Wind Blows von Jimmy T. Murakami nach Raymond Briggs reagiert auf den Schrecken nuklearer Bedrohung und ist einer der traurigsten Animationsfilme überhaupt. Dem entspricht Hotaru no haka (Die letzten Glühwürmchen) von Isao Takahata. Nausicaä von Hayao Miyazaki handelt von einer pazifistischen Prinzessin, die ihre Umwelt vor der Zerstörung verteidigt. Akira, Ghost In The Shell sowie Jin-Roh zeigen die Folgen eines Japans, dass nicht durch die USA, sondern von einer faschistischen Macht besiegt wurde. Seit dem Erfolg von Ari Folmans Waltz With Bashir darf ein Animationsfilm auch dokumentarisch sein. Rithy Panh stellt mit L'image manquante (The Missing Picture) das Schicksal einer Familie unter der Terror-Herrschaft der Roten Khmer mit Tonfiguren nach. Marjane Satrapis Persepolis zeigt die Geschichte Irans nach dem Sturz des Scahs als "Autofiktion". Ari Folmans The Congress schliesslich verbindet Trick- und Realfilm. Die lange britische Tradition des Animationsfilms beruht auf Einflüssen von Exilanten wie des Neuseeländers Len Lye, dessen Stil sich an Lotte Reiniger anlehnt. Der Ungar John Halas schuf die Trickfilm-Version von Animal Farm nach George Orwell 1954, der Kanadier George Dunning Yellow Submarine und der Amerikaner Terry Gilliam die animierten Bilder der Monty Python Filme. Der englische Animationsfilm lieferte erstaunlicherweise im Gegensatz zu Belgien oder Frankreich mit ihrer Comic-Kultur entscheidende Impulse. Neben Grossbritannien kamen phantastische Filme aus der damaligen CSSR (auch Fantastic Planet entstand als Co-Produktion). Jan Svankmajer unterzieht seit den 60ern heimische Sagen und Märchen einer morbiden Revision. Makabre Werke wie Faust oder Alice In Wonderland wirkten nie so blutrünstig wie bei ihm. Svankmajer ist fasziniert von Automaten-Technik, deren neurotischen Aspekt er immer wieder betont. Reale Objekte führen bei ihm ein Eigenleben, das er in surrealen Tableaus entfesselt. Die Quay Brothers erweisen Svankmajer ihre Referenz. Ihre Filme entstehen manuell, Streichhölzer oder Stecknadeln werden zum Leben erweckt. Genau wie bei Svankmajer spielt auch bei den Quay Brothers die Musik eine ironisierende Rolle. Selbst Stockhausen vertonte einen ihrer Filme. In Bill Plymptons Filmen ist alles Bewegung, alles im Fluss. In Idiots And Angels transformiert sich ein Wasserstrahl in Rasiercreme, um schliesslich als Milch über Cornflakes gegossen zu werden. In I Married A Strange Person entpuppt sich eine kleinbürgerliche Existenz als Albtraum. Hair High beginnt als High School Romanze und wandelt sich zum Geisterfilm. Einen entscheidenden Schritt machte der Animationsfilm für Erwachsene Ende der 70er als sich Ralph Bakshi mit The Lord Of The Rings auf eine verschollene Technik besann: Er drehte die Szenen zunächst mit Darstellern und überzeichnete diese anschliessend. Diese Technik kam bereits bei Disneys Schneewittchen zum Einsatz, geriet aber dann in Vergessenheit. Bakshis Film wurde ein Misserfolg in den USA, nicht aber in Europa. Die Technik wurde in Tron erneut eingesetzt und wirkt trotz aller Lebensnähe merkwürdig irreal. Aus dieser Instabilität machte Richard Linklater in Waking Life eine Tugend. Alles bewegt sich scheinbar unkoordiniert wie bei hohem Seegang. Wie in fast allen Linklater Filmen philosophieren die Figuren über das Leben, aber in Waking life mit einem anderen Elan, da sie durch Austin irren, ja fliegen. Linklater verfeinerte das Verfahren in A Scanner Darkly, was zur Paranoia von Philip K. Dicks Roman passt. Die Rotoskopie, so der Name des Verfahrens, war nun reif, auch psychologische Studien zu unterbildern. Das Meisterwerk dieses Anspruchs kommt aus der Tschechoslowakei: Alois Nebel von Tomas Lunak, die Geschichte eines verschlossenen Bahnwärters mit einem Kindheits-Trauma, das er zur Grenzüberwindung 1989 zu überwinden sucht. Fast wirkt der Titelheld noch trauriger als es in einem Spielfilm möglich wäre. Dass diese Traurigkeit dem Genre angehört, mag auch Charlie Kaufman in Anomalisa gespürt haben. Es ist die tiefe Melancholie der Künstlichkeit; man spürt, dass die Figuren nicht aus eigenem Antrieb handeln. Wie auch? Immer hält jemand ihre Fäden, führt den Stift, der sie bewegt. Vielleicht ist es so, dass wir in ihnen die Kinder sehen, die wir selbst einmal waren? (Wir stellen nicht die Filme, nur die links zur Verfügung) - Animation films have existed since the beginnings of cinema - and they have by no means always been family entertainment. Finally, the wistful puppeteer Charlie Kaufman ventured into the terrain of Anomalisa by simply making his puppets with a 3D printer. Previously, auteur filmmakers such as Wes Anderson (The Fantastic Mr. Fox), Tim Burton (Corpse Bride), Richard Linklater (Waking Life, A Scanner Darkly) and Todd Haynes (Superstar) staged animated films. Preferably, they used old-fashioned techniques such as stop motion. Todd Haynes even played the life story of a singer with Barbie dolls. In terms of both content and style, they tried to set themselves apart from the slipperiness of the big Disney productions. Pioneers like Jan Svankmajer or the Quay Brothers were role models. It is a moment of revolution, almost as if a genre were captured! In reality, however, it is a matter of recapture, for the animated film never had the inevitable destiny of being there only for children. The prehistory: Emile Reynauds "Optical Theatre" or the tricks of the magician Georges Melies. The 20s represented the era of experimental animated film in Europe. Oskar Fischinger, Julius Pinschewer and Walter Ruttmann conquered the interplay of abstract forms and music. Even Walt Disney tried his luck with his legendary Fantasia Failure (only not to dare any more experiments afterwards). Until the beginning of the 70s, animations for adults were a domain of short film. Ralph Bakshi's realization of Robert Crumb's Fritz The Cat Comics not only broke a whole bar of taboos, it was also a real pioneering achievement! Crackier, dirtier, more disturbing picture language could not be! Rene Laloux and Roland Topor announced La planète sauvage (Fantastic Planet), a cycle of dystopian fantasy/science fiction films. Bakshis Wizards (The World in 10 Million Years) is such an end-time vision. When the Wind Blows by Jimmy T. Murakami after Raymond Briggs responds to the horrors of nuclear threat and is one of the saddest animated films ever. Hotaru no haka (The Last Glowworms) by Isao Takahata corresponds to this. Nausicaä by Hayao Miyazaki is about a pacifist princess who defends her environment from destruction. Akira, Ghost In The Shell as well as Jin-Roh show the consequences of a Japan that was not defeated by the USA but by a fascist power. Since the success of Ari Folman's Waltz With Bashir, an animated film can also be documentary. With L'image manquante (The Missing Picture), Rithy Panh recreates the fate of a family under the reign of the Khmer Rouge with clay figures. Marjane Satrapis Persepolis shows the history of Iran after the fall of the Scah as "autofiction". Finally, Ari Folman's The Congress combines trick and real film. The long British tradition of animated film is based on influences from exiles such as New Zealander Len Lye, whose style is inspired by Lotte Reiniger. The Hungarian John Halas created the animated version of Animal Farm after George Orwell in 1954, the Canadian George Dunning Yellow Submarine and the American Terry Gilliam the animated pictures of the Monty Python movies. Unlike Belgium or France, the English animated film surprisingly provided decisive impulses with its comic culture. Beside Great Britain came fantastic movies from the CSSR (also Fantastic Planet was co-produced). Since the 60s Jan Svankmajer subjected local legends and fairy tales to a morbid revision. Macabre works like Faust or Alice In Wonderland never seemed as bloodthirsty as with him. Svankmajer is fascinated by vending machine technology, the neurotic aspect of which he repeatedly emphasizes. Real objects lead a life of their own with him, which he unleashes in surreal tableaux. The Quay Brothers show Svankmajer their reference. Their films are made manually, matches or pins are brought to life. As with Svankmajer, music plays an ironic role in the Quay Brothers. Even Stockhausen set one of their films to music. In Bill Plympton's films, everything is in motion, everything is in flux. In Idiots And Angels, a jet of water transforms into shaving cream and is finally poured as milk over cornflakes. In I Married A Strange Person, a petit bourgeois existence turns out to be a nightmare. Hair High begins as a high school romance and turns into a ghost film. The animated film for adults made a decisive step at the end of the 70's when Ralph Bakshi thought of a lost technique with The Lord Of The Rings: He first shot the scenes with actors and then overdrew them. This technique was already used in Disney's Snow White, but then fell into oblivion. Bakshis film became a 

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Kommentare

Eure letzten Kommentare
Musil
Sa, 02/01/2016 - 19:49

Sehr inspirierend und ganz

Sehr inspirierend und ganz enorm toll geschrieben. Ehrlichen Dank

brain goosebump
Sa, 02/01/2016 - 19:51

Dito! Max & Mary wär noch zu

Dito! Max & Mary wär noch zu überlegen, oder?

Filmkunstbar Fitzcarraldo
Fr, 08/01/2016 - 15:52

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Nichts für. - Max & Mary, total vergessen! Du hast Recht. Ich fügs gleich ein.

juanita
Do, 14/01/2016 - 15:47

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