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croaching tiger hidden dragon
Mi, 23/12/2015 - 18:47

Ein Genre, dessen filmische Einordnung äußerst schwierig ist, dessen Definitionsmöglichkeiten vielseitig und ambivalent sind… Traditionell ist ein Epos eine Versschöpfung, eine lyrische Erzählung im Stile der Ilias oder des Nibelungenliedes. Jedoch hat sich die Definition des Genres im Laufe der Zeit, der Geschichte der Medien gewandelt und erweitert. So definierte der Philosoph und Literaturkritiker Georg Lukacs das Epos als “die Gestaltung einer geschlossenen Lebenstotalität”, die sich von der privaten Sicht eines Romanes abgrenze. Die vorwiegend historischen und zugleich universellen Topoi epischer Werke wurden besonders im klassischen Monumentalfilm der 50er Jahre vielfach bearbeitet (Ben Hur, Die zehn Gebote). Filmkritikguru Roger Ebert machte die Definition des epischen Kinos schließlich an seiner visionären Kraft fest (um im selben Atemzug ordentlich über Pearl Harbour zu lästern). Aber genug des Vorgeplänkels: Wir verstehen hier unter epischem Kino große, ausladende Filme: Sittengemälde, historische und aktuelle Panoramen, monumentale Gemälde, universelle Visionen und Gedanken und natürlich alles was irgendwie in diesen großen Rahmen, in diese schwammige Bezeichnung miteingeschlossen werden kann. - 

A genre whose cinematic classification is extremely difficult, whose possibilities of definition are versatile and ambivalent... Traditionally, an epic is a creation, a lyrical narrative in the style of the Iliad or the Song of the Nibelungs. However, the definition of the genre has changed and expanded over time, the history of the media. Thus, the philosopher and literary critic Georg Lukacs defined the epic as "the creation of a closed totality of life", which is distinguished from the private view of a novel. The predominantly historical and at the same time universal topoi of epic works have been frequently adapted in the classical monumental film of the 1950s (Ben Hur, The Ten Commandments). Film critic Roger Ebert finally fixed the definition of epic cinema to its visionary power (to blaspheme Pearl Harbour in the same breath). But enough of the preliminary skirmish: By epic cinema we mean great, expansive films: moral paintings, historical and contemporary panoramas, monumental paintings, universal visions and thoughts, and of course everything that can somehow be included in this large framework, in this spongy designation.

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Filme in der Liste

Tiger and Dragon (Croaching tiger hidden dragon)

Tiger and Dragon (Croaching tiger hidden dragon)

Groß und opulent, aber auch verspielt, anrührend, mitunter sogar komisch ist das fantastische Martial Arts Epos Crouching Tiger, Hidden Dragon. Angesiedelt im China des 18. Jahrhunderts erzählt Ang Lee eine Geschichte um Liebe, Kampf, Freiheit und ein besonderes Schwert. Dabei überwinden seine Protagonisten alle Gesetze der Schwerkraft und zeigen unterstützt durch subtilen CGI-Einsatz Choreographien, die mitunter mehr an Tänze als an klassische Kampfhandlungen erinnern.
Der Mongole (Mongol)

Der Mongole (Mongol)

Bombastische, teure, historische Epen sind kein exklusives Privileg Hollywoods. Der erste Teil der als Trilogie angelegten Lebensgeschichte Dschingis Khans hat alle Zutaten, die ein großer Monumentalfilm benötigt. Das in der Mongolei für über 25 Millionen Dollar gedrehte Epos erzählt von der Kindheit und Jugend des großen mongolischen Schlachtherren und Herrschers, der ein ganzes Volk einigte und zahlreiche Länder eroberte.
Das weiße Band (The white ribbon)

Das weiße Band (The white ribbon)

Ja, es ist durchaus diskussionswürdig, ob Michael Hanekes Meisterwerk hier eingeordnet werden kann.
Nachrichten aus der ideologischen Antike

Nachrichten aus der ideologischen Antike

…Und es geht immer noch eine Spur außergewöhnlicher. Kulturapologet, Experimental-Regisseur, DCTP-Gründer Alexander Kluge verfilmt das Kapital von Karl Marx, orientiert an den Verfilmungsplänen der russischen Regielegende Eisenstein (Panzerkreuzer Potemkin), ausgedehnt auf sagenhafte 570 (!) Minuten Spielzeit. Das spottet natürlich jeder Beschreibung, ist eine ausufernde Fahrt durch Bilder, Gedanken, Interviewfetzen und Clownerien und kann einfach als nichts anderes denn episch bezeichnet werden
Izo

Izo

Um den Tod geht es auch in Takashi Miikes düsterem Samuraiepos Izo: Ein untoter Krieger reist durch Zeiten und Länder und tötet alles, was ihm vor die Klinge gerät. Der ungewöhnliche und herausfordernde Izo generiert sich als abseitiges Anti-Epos zwischen pathetischen Kampfszenen, trashigen Splattereinlagen, größenwahnsinnigen satirischen Spitzen gegen Politik und Religion (auch der Kaiser, Buddha und sogar Gott werden zu Opfern des zeitreisenden Racheengels) und wunderschönen Bildern.
The Assassination of Jesse James by the Coward Robert Ford

The Assassination of Jesse James by the Coward Robert Ford

Der Western ist tot… es lebe der Western. Der Spätwestern Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford feiert und betrauert die Melancholie einer untergehenden Epoche als episches Epitaph. Heldenmut, der klassische Kampf Mann gegen Mann, die Suche nach Freiheit und alle anderen klassischen Western-Ingridenzien rücken weit in den Hintergrund. Stattdessen sehen wir müde, ausgelaugt, vom Schicksal gebeutelte Männer, die ebenso wie die Epoche auf ihr eigenes Sterben warten.
City of God

City of God

ie Verfilmung von Paulo Lins Roman Cidade de Deus ist ein realistisches Sittengemälde des harten Lebens in den Armenvierteln Rio de Janeiros. Um dies zu erreichen besetzte Regisseur Fernando Meirelles seine Protagonisten fast vollständig mit Jugendlichen aus den ärmsten Gegenden Brasiliens. Das Ergebnis ist beeindruckend authentisch, bedrückend und bewegend; ein schonungsloser Einblick in die Abgründe Rios.
Gladiator

Gladiator

Regielegende Ridley Scott wandte sich zu Beginn des neuen Jahrtausends historischen Stoffen zu. Seine Version der antiken Welt hat jedoch nichts mit den glorifizierenden, verkitschten Historienepen der 50er und 60er Jahre gemein. Stattdessen setzt Scott auf viel Düsterpathos, ungefilterte, rohe Gewalt und dunkle, traumwanderische Bilder.
Gangs of New York

Gangs of New York

Und noch einmal die dunklen Seiten Amerikas. Martin Scorseses berauschender “Gangs of New York” erzählt die Geschichte der Vereinigten Staaten von der Straße aus. Irische Einwanderer, organisiertes Verbrechen, kriminelle Gangs, Prostitution, Gewalt… das New York in diesem Film ist ein dunkler und dreckiger Moloch, ein Sündenfuhl, zugleich aber auch ein Sinnbild für die wortwörtlich unbegrenzten Möglichkeiten.
There will be Blood

There will be Blood

Von der wunderschönen Landschaft des vorindustriellen Japans zur kargen amerikanischen Steppe des beginnenden 20. Jahrhunderts. In Paul Thomas Andersons There will be Blood spielt Daniel Day Lewis einen Ölmogul, dessen Gier zu seinem Verhängnis wird. Viel wurde schon gesagt zu der außergewöhnlichen Leistung des Hauptdarstellers. Aber auch darüber hinaus ist There will be Blood ein großes, opulentes Meisterwerk.

Kommentare

Eure letzten Kommentare
Filmkunstbar Fitzcarraldo
Mi, 23/12/2015 - 18:51

Die Liste an sich ist episch,

Die Liste an sich ist episch, die Texte! Dafür eine DVD Flat in der Filmkunstbar Fitzcarraldo. P.S. Den Kluge Film hast du gebührend argumentiert!

Schoenhausen
Do, 24/12/2015 - 22:10

Die List passt hervorragend

Die List passt hervorragend zu Weihnachten und ich denke, mir fallen in einer eigenen Film list auch noch ein paar Liebesfilme ein. (Ich schreibe heute am 24.12.2015)

Schoenhausen
Do, 24/12/2015 - 22:10

Deine Texte sind auch sehr

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