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Tetsuo
Mi, 31/07/2013 - 16:47

Neuromancer von William Gibson ist die Bibel des Cyberpunk: Irgendwo in Los Angeles, die Katastrophe besteht darin, dass es einfach so weitergegangen ist. Die Umwelt ruiniert, die Politik vergessen, die Welt kontrolliert von Multikonzernen. Im Netz finden Verbrechen und Mord statt, die Datenwelt ist mittlerweile dreidimensional , direkt auf den Sehnerv projiziert. „Jacked in“ bewegt man sich in der Welt der Daten, in der Matrix. Viele der Einzelheiten aus dem Cyberpunk Roman findet man in Matrix wieder, dem bekanntesten Cyberpunk Film. Matrix unterscheidet zwei Kunstgriffe von all diesen Produktionen: Die des Erwachens aus einer Traumwelt, die man für real hielt und das Motiv des Androiden, der fehlenden Identität. Für das erste Motiv steht der Autor Philip K. Dick, in seinem Roman Irrgarten des Todes erwachen die Helden zuletzt aus der „Handlung“. Die Dick Verfilmung Blade Runner gehört deshalb nicht zufällig zu den ästhetischen Vorbildern von Matrix. In Blade Runner wird auch das Motiv des Androiden entwickelt, der Mensch Maschine mit künstlicher Erinnerung (vgl. epd 6/03, S. 16f.). In Blade Runner oder Escape from New York ist es fast durchgängig Nacht, eine feindliche Gosse umgibt einen. Terminator, Robocop, Total recall und The fifth element sind düstere Film Noir im Sinne von Cyberpunk. Besonders gut gelungen ist die Schrottausstattung von 1984. Die Bebilderung von Philip C. Dicks Drogenerfahrungen in Linklaters Film A scanner darkly sind von innovativer Schönheit, die Dialoge sind es nicht, sondern zu langatmig. La cité des enfants perdus ist eine düstere Groteske mit rabenschwarzen Humor und einer Reihe skurriler Gestalten. Hardware ist so spannend, dass es sich mit Alien und 1984 ruhig messen kann. Tetsuo ist ein schwer zu beschreibendes Kunstwerk von Tsukamoto, in dem ein Mann zu einem metallenen Gebilde transformiert wird. Fast ohne Dialoge funktioniert der Film wie ein Puzzlespiel, ein Ereignis aus der Vergangenheit wird vor dem Zuschauer und von ihm wieder zusammengesetzt. Ghost in the shell ist einer der stilprägendsten Cyberpunk Filme als Anime, andere Werke sind untergegangen und unterschätzt. Einer davon ist Johnny Mnemonic des Künstlers Robert Logo nach William Gibsons Novelle Vernetzt. Durchgefallen bei Kritik und Publikum sind auch Nirvana von Gabriele Salvatores und Iain Softleys Hackers. Ein durchgefallener Film wiederum entspricht aber der Philosophie von Cyberpunk am ehesten. - Neuromancer by William Gibson is the Bible of cyberpunk: Somewhere in Los Angeles, the catastrophe is that it just went on like that. The environment is ruined, politics forgotten, the world controlled by multicorporations. Crime and murder take place on the net, the data world is now three-dimensional, projected directly onto the optic nerve. "Jacked in" moves one in the world of data, in the matrix. Many of the details from the Cyberpunk novel can be found in Matrix, the most famous Cyberpunk film. Matrix distinguishes two tricks from all these productions: The one of awakening from a dream world that one thought was real and the motif of the android, the missing identity. The author Philip K. Dick stands for the first motif; in his novel Irrgarten des Todes (Maze of Death), the heroes wake from the "plot". It is therefore no coincidence that the Dick film adaptation Blade Runner is one of Matrix's aesthetic role models. Blade Runner also develops the motif of the android, the human machine with artificial memory (cf. epd 6/03, p. 16f.). In Blade Runner or Escape from New York it is almost always night, a hostile gutter surrounds you. Terminator, Robocop, Total recall and The fifth element are dark film noir in the sense of cyberpunk. The scrap equipment from 1984 is particularly successful. The illustrations of Philip C. Dick's drug experiences in Linklater's film A scanner darkly are of innovative beauty, the dialogues are not, but too lengthy. La cité des enfants perdus is a dark grotesque with raven-black humour and a series of bizarre characters. Hardware is so exciting that it can easily compete with Alien and 1984. Tetsuo is a hard to describe work of art by Tsukamoto, in which a man is transformed into a metal structure. Almost without dialogue, the film functions like a puzzle, an event from the past is put together in front of and by the viewer. Ghost in the shell is one of the most stylistically influential cyberpunk films as an anime, other works have been lost and underestimated. One of them is Johnny Mnemonic by the artist Robert Logo after William Gibson's novella Networked. Nirvana by Gabriele Salvatores and Iain Softley's Hackers have also failed critics and audiences. A failed film, on the other hand, corresponds most closely to Cyberpunk's philosophy. 

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David Cronenberg, der Vater des intellektuellen Horrors, entwirft ein Schreckens-Szenario in bedrückenden Bildern: Ein Mensch beginnt zu halluzinieren, wenn er extrem gewalttätigen Bildern ausgesetzt wird.
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Im Hause Disney kam dieses düsteres, schwer zu entschlüsselnde Werk von Steven Lisberger wohl einer Revolution gleich!
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Tetsuo

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Droht eine Alien-Invasion? Selten einen so irren Film gesehen wie die absurde Komödie von Joon-Hwan Jang!!!
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Paul Verhoeven hat seine Hollywood Filme immer wie Comics produziert! Sein Cyborg Cop gehört längst zum Grund-Inventar der 80er Male Rampage Filme! Das Remake von 2014 von José Padilha (Tropa da Elite) ist eine genauso schöne Überraschung!
Repo! The Genetic Opera

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Das erste Cyberpunk Musical! Von Darren Lynn Bousman
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Die Wachowski Brothers revolutionieren das Blockbuster Kino: Komplex konstruiert, mit der düsteren Ästhetik einer Indie Produktion und perfekter Tricktechnik!
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George Millers Endzeit Szenario im Zuge der australischen Exploitation Welle der 70er und frühen 80er!
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Plastik Punk! Slava Tsukermans New Yorker Midnight Movie treibt die 80er auf eine einsame Spitze!
Johnny Mnemonic

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Mit einer Daten-Ladung im Kopf! Pulp mit Keanu Reeves und Dolph Lundgren
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Richard Stanleys britische Indie Produktion aus dem Jahr 1990 über einen Cyborg, der ausser Kontrolle gerät.
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Immerhin sieht man in dem Hacker Thriller die junge Angelina Jolie, 1995
Ghost in the shell - Kôkaku Kidôtai

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Mamoru Oshiis unübertroffenes Meisterwerk der Anime Kunst!
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Marc Caros und Jean-Pierre Jeunets expressionistisches Kunstwerk - kein kommerzieller, dafür umso mehr ein KÜNSTLERISCHER Erfolg!
Die Klapperschlange – Escape from New York

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John Carpenters SciFi Thriller ist stark von der Punk-Kultur der späten 70er geprägt.
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Eine Warner Produktion mit Sylvester Stallone, Wesley Snipes und Sandra Bullock, die ungewöhnlich düster wirkt!

Death powder - Desu pawuda

SciFi Horror von Shigeru Izumiya
Der Höllentrip – Altered states

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Ein Selbst-Experiment mit Drogen, die drastische Halluzinationen hervorrufen. Vom Regie-Exzentriker Ken Russell, 1980
Das fünfte Element – The 5th element

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Luc Besson setzt in seiner ersten Gaumont Produktion mit Hollywood Stars wie Bruce Willis auf den Plastik Punk seines frühen Erfolges Subway.
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Alex Proyas erreicht einen hohen Grad an Beklemmung durch seine konsequent düsteren Bilder.
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Marc Caro, Regie-Partner von Jean-Pierre Jeunet, kann zwar keine Geschichte erzählen, aber wundervolle Bilder auf die Leinwand bringen!
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Terry Gilliams exzentrisches Meisterwerk: Düster und wahnsinnig!
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Douglas Trumbulls Produktion aus dem Jahr 1983 bietet vor allem Christopher Walken!
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Der Einfluss von Ridley Scotts düsterem Noir bis heute kann gar nicht unterschätzt werden!
Appleseed - Appurushîdo

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In Shinji Aramaki und Steven Foster Anime ist es eine weibliche Kriegerin, die das Schicksal der Menschheit bestimmen muss.
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Klaus Kinski als exzentrischer Dr. Daniel! Schöner Pulp!
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Akira von Katsuhiro Ohtomo bringt 1988 eine düstere Note in die Anime Kunst!
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Álex de la Iglesias Zukunft wird ausschliesslich von schönen Menschen bestimmt, während sich die hässlichen Mutanten zu einer Terror-Einheit zusammenschliessen.
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Richard Linklater verfilmt Philip K. Dick und probiert nach Wking Life zum zweiten Mal seine Technik des colorierten Realfilms.
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Pinocchio, ein Cyborg Sex Sklave - von Shozin Fukui

Kommentare

Eure letzten Kommentare
nadescha.kontra
Mi, 30/07/2014 - 23:49

Cyberpunk meint Filme mit

Cyberpunk meint Filme mit Parallelrealität, die irgendwie revolutionär sind? Oder ist das ein Style? Oder beides? Blade Runner, ja?

Filmkunstbar Fitzcarraldo
So, 10/08/2014 - 22:43

ich finde, es ist ein Style:

ich finde, es ist ein Style: so düster wie Blade Runner!

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