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Lampedusa - Respiro (2002) (Rating 7,5) DVD1700

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Respiro
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Do, 27/03/2014 - 16:53
Directed by: Emanuele Crialese
Schauspieler: Valeria Golino (Grazia) Vincenzo Amato (Pietro) Francesco Casisa (Pasquale) Veronica D'agostino (Marinella) Filippo Pucillo (Filippo) Muzzi Loffredo (Nonna) Elio Germano (Pier Luigi) Avy Marciano (Olivier)
Video: Trailer

Es stimmt etwas nicht mit Grazia. Alle Einwohner des kleinen Dorfes sind sich da einig, schliesslich auch ihr Ehemann. Sie soll nach Mailand gebracht werden, damit ein Arzt ihr helfen kann. Grazia aber läuft davon und das Gerücht geht um, sie sei ertrunken im Meer. Zuvor reagierte man im dorf ausgesprochen wütend, weil Grazia eine alte Ruine aufbrach, in der Dutzende sträunender Hunde gefangen waren. Die Hunde rennen nun auf den Strassen umher. Die Männer steigen auf ihre Dächer, um die Hunde zu erschiessen. In diesem Moment wird der Beschluss gefasst, dass Grazia nach Mailand muss. Das Dorf liegt auf der Insel Lampedusa, im Süden Italiens, nicht weit von Tunesien. Im Grunde erleben wir im Film das Leben auf der Insel, bevor die sogenannte "Flüchtlings-Krise" über Lampedusa hereinbrach (der Film kam 2003 ins Kino). Fisch und Konservieren sind die lokalen Industrien. Jeder lebt vom anderen, ein Kreislauf. Wir sehen, wie die Sonne brennt auf eine Landschaft aus Fels und Sand, den endlosen Himmel und das Meer. Die Häuser im Dorf sind sandfarben, überall spielen Kinder und stehen Vespas herum. In dieser Welt ist Grazia (Valeria Golino) eine Legende. Sie sieht immer noch jung aus, obwohl sie Mutter dreier Kinder ist. Ihr Mann heisst Pietro (Vincenzo Amato), ein gutaussehender Fischer. Er versteht seine Frau, doch auch er reagiert verstört als er sie nackt beim Baden sieht mit den Kindern. Schliesslich ist es ihr Sohn Pasquale (Francesco Casisa), der verlangt, sie solle ihre Kleider wieder aufnehmen und nach Hause kommen. Pasquale versucht die Mutter zu beschützen. Ich denke, wir können sie als manisch depressiv beschreiben, wobei sie sich meistens im Zustand des wilden Ausbruchs befindet: Zu fröhlich, zu unkontrolliert, mit allzu heftiger Begeisterung. Der Film von Emanuele Crialese bietet nicht nur die Geschichte Grazias, sondern beweist ein feines Gespür für das Leben auf Lampedusa. Wir erleben genauso intensiv die Entwicklung ihrer Kinder, wie sie anfangen, erwachsen zu werden, zu flirten und die Liebe zu entdecken. Es ist deshalb umso trauriger, mit anzusehen, wie Grazia verschwindet (nicht ertrinkt, sondern davon läuft). Pasquale hilft ihr bei diesem Betrug während ihr zweiter Sohn Pietro am Strand trauert: Nicht unweit von Pietro versteckt sich Grazia in einer Grotte. Wie kann sie als Mutter etwas derart Herzloses tun? - Weil die den Arzt in Mailand wirklich braucht. Der Film folgt Grazia in ihre Welt und sieht nicht nur das Unvermeidbare (sie ist krank!), sondern auch das Poetische darin. Respiro ist dabei ein lebensbejahender Film geworden mit sehr viel Energie und starken Charakteren. Manchmal kommt es mir sogar so vor, als wird mentale Krankheit hier mehr als Unterhaltung, denn als Leid vorgeführt. Manchmal kamen mir auch Zweifel, ob solche Menschen wirklich auf Lampedusa leben? Womöglich existieren sie nur für die Länge des Films? Grazia braucht Hilfe, in dem Moment aber, da sie die bekommt, wäre Lampedusa nicht mehr so ein anziehender Ort zum Leben. - There's something wrong with Grazia. All the inhabitants of the small village agree on this, including their husbands. She is to be taken to Milan so that a doctor can help her. But Grazia runs away and there is a rumour that she has drowned in the sea. Before that, people in the village were very angry, because Grazia opened up an old ruin, in which dozens of straying dogs were trapped. The dogs are now running around on the streets. The men climb onto their roofs to shoot the dogs. At this moment the decision is made that Grazia has to go to Milan. The village is located on the island of Lampedusa, in the south of Italy, not far from Tunisia. Basically, the film shows life on the island before the so-called "refugee crisis" hit Lampedusa (the film was released in 2003). Fish and conservation are the local industries. Each lives from the other, a cycle. We see how the sun burns on a landscape of rock and sand, the endless sky and the sea. The houses in the village are sand-colored, everywhere children play and stand Vespas around. In this world Grazia (Valeria Golino) is a legend. She still looks young, although she is the mother of three children. Her husband is called Pietro (Vincenzo Amato), a handsome fisherman. He understands his wife, but he also reacts disturbed when he sees her naked bathing with the children. After all, it is her son Pasquale (Francesco Casisa) who demands that she pick up her clothes again and come home. Pasquale tries to protect her mother. I think we can describe her as manic depressive, although she is mostly in a state of wild outburst: Too cheerful, too uncontrolled, with too much enthusiasm. The film by Emanuele Crialese not only offers the story of Grazia, but also proves a fine feeling for life on Lampedusa. We experience the development of their children just as intensively as they begin to grow up, flirt and discover love. It is therefore all the sadder to see Grazia disappear (not drown, but run away). Pasquale helps her with this deception while her second son Pietro mourns on the beach: not far from Pietro, Grazia hides in a grotto. How can she do such a heartless thing as a mother? - Because she really needs a doctor in Milan. The film follows Grazia into her world and sees not only the inevitable (she is sick!), but also the poetic in it. Respiro has become a life-affirming movie with a lot of energy and strong characters. Sometimes it even seems to me that mental illness is presented more as entertainment than as suffering. Sometimes I had doubts whether such people really live on Lampedusa? Maybe they only exist for the length of the film? Grazia needs help, but the moment she gets it, Lampedusa wouldn't be such an attractive place to live anymore.

Kommentare

Eure letzten Kommentare
Me and you and everyone
Me and you and everyone
Mo, 22/02/2016 - 10:43

Zurückbleibende Grübeleien

Zurückbleibende Grübeleien über das Gemüt von Grazia lassen den Film leider etwas undurchdacht erscheinen. Es gibt Filme, die lassen Fragen offen, ohne unfertig zu wirken, im Gegenteil. Hier aber fehlt die Antwort auf die Frage, warum oder vielmehr seit wann Grazia so ist, wie sie ist - wenn sie schon immer so war wie im Film dargestellt, warum hat der konservative Pietro sie dann überhaupt geehelicht, wo er doch so beschämt von ihrer Freizügigkeit ist? Warum sind ihre Kinder so geworden, wie sie geworden sind? Warum ist sie dann nicht schon viel früher für verrückt erklärt worden?
Und wenn sie nicht immer so war? Was hat dann den Ausschlag gegeben, welches Erlebnis hat bei ihr den Wunsch nach Ausbruch ausgelöst? Diese nicht gegebenen Antworten, die mir bei vielen anderen Filmen nicht fehlen, störten mich hier unheimlich. Letztendlich unbeantwortbar bleibt damit vor allem die Frage, ob die Story tatsächlich nicht zuende gedacht wurde, oder ob man bewusst, aber leider ungekonnt, Fragen offen lassen wollte?

Aber ja, es stimmt, das Ende (und die fastzinierend eingesetzten Unterwasser-Einstellungen) machen wirklich vieles wett :)

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