Wir sehen ein Mann im Spiegel, vor ihm ein gemaltes Selbst-Portrait. Der Mann wurde von hinten erschossen, während er malte. Im Grunde funktioniert Spielbergs Film genauso. Realität, Spiegelung, Abbildung. Spielberg versucht wahre Begebenheiten des kalten Krieges zu spiegeln, tut dies aber filmisch so überhöht, dass Bride Of Spies den Charakter eines Gemäldes bekommt. Ein Mann, gefangen in etwas, das grösser ist als er selbst - ein typisches Spielberg Thema. Dieser Mann heisst Jim Donovan (Tom Hanks), ein Anwalt. Dann tritt auf Rudolph Abel (Mark Rylance), ein Spion gegen die Interessen der USA und für die UDSSR. Donovan soll Abel vor Gericht vertreten. Die Überzeugung von Donovans Boss (Alan Alda) ist simpel: Hauptsache, es wirkt wie ein richtiger Prozess. Donovan aber ist kein Handlanger und verlangt einen fairen Prozess für Abel (der laut seiner Überzeugung einen normalen Job gemacht hat). Natürlich hat Donovan Recht und es kommt zu dem Vorfall, dass Francis Gary Powers (Austin Stowell), ein amerikanischer Pilot in die Hände der Russen fällt. Nun wird Donovan geschickt, um den Austausch der Beiden zu vermitteln. Wiederum verlangt man von ihm nur das Minimum seiner Pflichterfüllung. Donovan wäre aber kein Spielberg Charakter, hielt er sich daran. Er tut nicht nur das Notwendige, sondern wächst darüber hinaus. Spielberg arbeitet von Beginn an konzentriert und still - fast ohne Soundtrack. Bridge Of Spies ist kein Action Film, aber ein Dialog-Film mit sehr viel Stilbewusstsein. Die Spannung entsteht durch die Konversation und die Tatsache, dass Donovan herausfindet, im kalten Krieg geht es vor allem um "Deals" und Ausreden. Achtet mal auf die Details im Film, die Kostüme oder Donovans Haus! Tatsächlich fühlen wir uns nicht wie in einem modernen Film, der die Vergangenheit nachstellt - es ist so als ob wir einen flüchtigen Blick auf die Geschichte werfen dürfen. Dieser Realitätsgehalt wiederum wird von Spielberg maniriert vorgeführt: In dem Moment, da Donovan nach Deutschland kommt, erscheint alles in Blau- und Grautönen. Ost-Deutschland hat dabei wiederum eine andere Farbgebung als der Westteil. Wann haben wir jemals die Berliner Mauer als so eindringliches Monument gesehen? Tom Hanks spielt in Bride Of Spies auch nicht einfach den "Jedermann", für den er so oft gebucht wird. Hanks gibt den Besten aller Jedermänner! Er findet die richtige Balance, das Aussergewöhnliche einer normalen Person zu verkörpern. Das Drehbuch von Matt Charman und Joel & Ethan Coen reiht sich ein in die vielen grossen Leistungen von Bridge Of Spies. Spielberg hat sich fast unbemerkt zu einem der grossen Historiker des Kinos entwickelt (er ist eben nicht nur der Fantasy Regisseur der 70er und 80er!). Viele dieser Epen wurden unterbewertet. Vermutlich wird auch Bridge Of Spies dieses Schicksal wiederfahren, obwohl wir es hier mit einem ganz grossartigen Film zu tun haben! - We see a man in the mirror, in front of him a painted self-portrait. The man was shot from behind while he was painting. Basically, Spielberg's movie works the same way. Reality, reflection, illustration. Spielberg tries to reflect true events of the Cold War, but does this in such a cinematic way that Bride Of Spies gets the character of a painting. A man trapped in something bigger than himself - a typical Spielberg theme. This man's name is Jim Donovan (Tom Hanks), a lawyer. Then steps on Rudolph Abel (Mark Rylance), a spy against the interests of the U.S. and for the USSR. Donovan is to represent Abel in court. The conviction of Donovan's boss (Alan Alda) is simple: "The main thing is that it works like a real process. Donovan, however, is not a sidekick and demands a fair trial for Abel (who he believes has done a normal job). Of course Donovan is right and it comes to the incident that Francis Gary Powers (Austin Stowell), an American pilot falls into the hands of the Russians. Now Donovan is sent to mediate the exchange of the two. Again, only the minimum of his duty is required of him. But Donovan would not be a Spielberg character, he kept to it. Not only does it do what is necessary, but it grows beyond that. Spielberg works from the beginning concentrated and quiet - almost without a soundtrack. Bridge Of Spies is not an action film, but a dialogue film with a lot of style awareness. The tension arises from the conversation and the fact that Donovan finds out that the Cold War is all about "deals" and excuses. Watch the details in the movie, the costumes or Donovan's house! In fact, we don't feel like in a modern film recreating the past - it's like taking a glimpse at history. This reality content, in turn, is presented by Spielberg in a fashionable way: The moment Donovan comes to Germany, everything appears in shades of blue and grey. East Germany, on the other hand, has a different colouring than the western part. When did we ever see the Berlin Wall as such a haunting monument? In Bride Of Spies, Tom Hanks doesn't just play the "Everyman" for whom he is so often booked. Hanks gives the best of all men! He finds the right balance to embody the extraordinary of a normal person. The script by Matt Charman and Joel & Ethan Coen joins the many great achievements of Bridge Of Spies. Spielberg has developed almost unnoticed into one of the great historians of cinema (he is not only the fantasy director of the 70s and 80s!). Many of these epics were underrated. Bridge Of Spies will probably drive this fate again, although this is a great movie!
Kommentare
Eure letzten Kommentare
Natürlich inszeniert
Natürlich inszeniert Spielberg routiniert, von mir aus auch konventionell. Ich sehe bei ihm allerdings keinen Widerspruch zwischen Form und Inhalt, sondern vielmehr einen Gleichklang, denn viele seiner Werke transportieren Überzeugungen, die man heute wohl leider als altmodisch bezeichnen muss - egal, ob man ins Kino geht oder auch nur die Zeitung aufschlägt. Und noch mehr: Tom Hanks redet im Film nicht etwa nur, er handelt auch. Ich denke, Spielberg möchte darauf hinaus, dass wir ihn als Vorbild nehmen (damit dies leichter fällt, ist die Hauptfigur eine Person aus der Mitte der Gesellschaft und eben nicht Superman), uns aber gerade nicht ohne Weiteres mit ihm gleichsetzen sollen. Ich schätze, die wenigsten von uns haben einmal ein Menschenleben gerettet oder sich sonstwie aktiv für fundamentale Grundrechte anderer eingesetzt.
Sebastian Koch meinte ja in einem Interview, Spielberg vermittle eine geradezu "buddhistische Ausstrahlung". Als ich das las, musste ich schmunzeln, denn genau so stelle ich mir ihn irgendwie auch vor. Und hier höre ich nun, Spielbergs Filme seien "unmoralisch".
- Anmelden oder Registieren, um Kommentare verfassen zu können
Wer will schon im Jahr 2015
Wer will schon im Jahr 2015 noch Stefan Spielberg sehen? Doch! Hier! Ich! Der Film ist spannend, altmodisch, aber gut und auch noch mit Tom Hanks. Spielt in Berlin, das sei Grund, ja ist.
- Anmelden oder Registieren, um Kommentare verfassen zu können


Werde Teil der Community
Schreibe Kommentare, vote für Deine Favoriten oder sende uns Deinen Film-Vorschlag.