Tarantinos ultrabrutaler und hochgradig verquatschter The Hateful Eight ist eine imponierende Vorstellung von Filmkunst, aber auch ein zutiefst hässlicher Film. Der Western bietet Gewalt voller Schadenfreude und eine ungeheuer nihilistische Sicht auf die Welt - Tarantino Kritiker werden sich darin bestätigt fühlen, er hätte nun ihre schlimmsten Ängste erfüllt. The Hateful Eight spielt irgendwann nach dem Bürgerkrieg. Wir erleben eine Gruppe von Cowboys im Schnee von Wyoming. Fast eine halbe Stunde Zeit nimmt sich Tarantino, um die Gruppe vorzustellen: John "The Hangman" Ruth (Kurt Russell), der im Grunde nur das Abziehbild klassischer Western darstellt. Er spricht sogar wie ein Cowboy der 50er. O.B. (James Parks) ist sein Fahrer, Daisy Domergue (Jennifer Jason Leigh) seine Gefangene, die in Red Rock gehängt werden soll. Chris Mannix (Walton Goggins) spielt den Sheriff von Red Rock, der zuvor Gangster war und von Ruth nicht als Mann des Gesetzes anerkannt wird. Marquis Warren (Samuel L. Jackson) spielt einen ehemaligen Sklaven, der zum Kriegshelden wurde. Ruth misstraut Warren und Warren hasst Ruth. Später gesellen sich weitere Charaktere zu ihnen wie ein ehemaliger General (Brude Dern), ein britischer Henker (Tim Roth) und ein Revolverheld: Joe Gage (Michael Madsen, der immer nur dieselbe Rolle bekommt). Ich zählte sogar neun Figuren, wobei der Fahrer nicht hasserfüllt genug ist, um zum engeren Kreise zu gehören. Tarantino spendiert noch weitere Mitspieler wie Channing Tatum und Zoe Bell, die aber weniger interessant wirken. The Hateful Eight ist voller spielerischer Überraschungen, nicht nur, was den Plot angeht, sondern auch seine Form. Der Western wirkt dadurch experimentell und weniger "klassisch". Ennio Morricone hat die Filmmusik komponiert, wobei man permanent das Gefühl hat, das Motiv doch schon einmal gehört zu haben? Hat Morricone möglicherweise sich selbst "gesampled"? Tarantino entschied sich dafür, den Film in 70mm aufzunehmen (was ein Beweis ist, dass er - Tarantino - doch letztlich immer origineller ist als seine unzähligen Nacheiferer). Ein Format, dass wir im Grunde zuletzt während den 60ern im Kino bewundern durften - allerdings wundert mich die Tatsache, dass geschätzt drei Viertel von The Hateful Vight in Innenräumen spielt. Es ist für mich gar nicht das Problem, WIE Tarantino seine Geschichte erzählt - sondern die Mängel des Plots: Noch stärker als in früheren Filmen des Regisseurs haben wir es weniger mit einer Geschichte zu tun, als vielmehr mit aufeinander folgenden Ereignissen - Dialog, Dialog, Dialog, Dialog, Tötungs-Szene. Dialog, Dialog, Dialog, Dialog, Tötungs-Szene. Themen wie der Bürgerkrieg oder der amerikanische Kapitalismus werden nicht an sich wahrgenommen, sondern dienen nur dazu, um Dialog, Dialog, Dialog, Dialog, Tötungs-Szene zu ermöglichen. Falls Tarantino tatsächlich so etwas wie Moral verfolgt, dann seine ganz eigene. Wozu braucht er derartige Themen überhaupt in seinen Filmen? Mir gefielen früher seine offen amoralisch handelnden Figuren viel besser! Leigh, die den Gangster Part spielt, bekommt am meisten ab: Ihr Gesicht voller Blut, ein Zahn fehlt und immer wieder muss sie einstecken. Samuel L. Jacksons Figur verkörpert den Mythos des schwarzen Mannes. Niemand könnte ernsthaft behaupten, Tarantino würde hier ehrlich Partei ergreifen für die Sache der Schwarzen. The Hateful Eight gebärdet sich trotzdem wie ein Meisterwerk: Die Bilder sind phantastisch, die schauspielerischen Einzel-Leistungen sind ungewöhnlich, die Musik ist immerhin von Morricone. Tief im Inneren aber, glaubt Tarantinos Film an nichts anderes als Sensationen. Darüber hinaus stellt The Hateful Eight auch keinen echten Western dar, sondern eine Soap mit Cowboy Hüten. Der historische Hintergrund? Dient einzig dazu, Spässchen zu machen. - Tarantino's ultra-brutal and highly talked about The Hateful Eight is an impressive performance of cinematic art, but also a deeply ugly film. The Western offers violence full of gloating and a tremendous nihilistic view of the world - Tarantino critics will feel confirmed that it has now fulfilled their worst fears. The Hateful Eight takes place sometime after the Civil War. We experience a group of cowboys in the snow of Wyoming. Tarantino takes almost half an hour to introduce the group: John "The Hangman" Ruth (Kurt Russell), who is basically just a decal of a classic western. He even speaks like a 50s cowboy. O.B. (James Parks) is his driver, Daisy Domergue (Jennifer Jason Leigh) his prisoner to be hanged in Red Rock. Chris Mannix (Walton Goggins) plays the Sheriff of Red Rock, who was previously a gangster and is not recognized by Ruth as a man of the law. Marquis Warren (Samuel L. Jackson) plays a former slave who became a war hero. Ruth suspects Warren and Warren hates Ruth. Later they are joined by other characters such as a former general (Brude Dern), a British executioner (Tim Roth) and a gunslinger: Joe Gage (Michael Madsen, who only ever gets the same role). I even counted nine figures, whereby the driver is not hateful enough to belong to the inner circle. Tarantino treats other players like Channing Tatum and Zoe Bell, but they seem less interesting. The Hateful Eight is full of playful surprises, not only regarding the plot, but also its form. The Western thus appears experimental and less "classic". Ennio Morricone composed the soundtrack, but you always have the feeling that you have heard the motif before? Does Morricone possibly "sampled" himself? Tarantino decided to shoot the film in 70mm (which proves that he - Tarantino - is always more original than his countless emulators). A format that we were basically able to admire in the cinema during the 60s - but I am surprised that approximately three quarters of The Hateful Vight is set indoors. For me it is not the problem HOW Tarantino tells his story - but the shortcomings of the plot: Even more than in the director's earlier films, we are dealing less with a story than with successive events - dialogue, dialogue, dialogue, dialogue, killing scene. Dialogue, dialogue, dialogue, dialogue, killing scene. Topics such as civil war or American capitalism are not perceived per se, but serve only to facilitate dialogue, dialogue, dialogue, dialogue, killing scene. If Tarantino is indeed pursuing something like morality, it's his very own. Why does he even need such topics in his films? I used to like his openly amoral characters much better! Leigh, who plays the gangster part, gets the most: Her face full of blood, one tooth missing and she keeps taking it. Samuel L. Jackson's character embodies the myth of the black man. Nobody could seriously claim that Tarantino would honestly take sides in the black cause. Nevertheless, The Hateful Eight behaves like a masterpiece: The pictures are fantastic, the individual performances are unusual, the music is by Morricone. Deep down, however, Tarantino's film believes in nothing but sensations. Furthermore, The Hateful Eight is not a real Western, but a soap with cowboy hats. The historical background? Only serves to make jokes.
Translated with www.DeepL.com/Translator
Kommentare
Eure letzten Kommentare
Drei Jahre nach "Django
Drei Jahre nach "Django Unchained" ist Quentin Tarantinos neuer Film "The Hateful 8" nun der mittlerweile achte Film des Regisseurs. Die Story ist schnell und einfach erklärt: Es geht um acht Protagonisten, die bei Schneesturm in einer Hütte sich einschließen und nach und nach einer nach dem anderen ausgelöscht wird. Klingt inhaltlich interessant, ist aber nur halb so spannend inszeniert. Dagegen ist die Besetzung perfekt. Besonders Samuel L. Jackson als fieser Major, der hier in seiner Rolle für spannende Momente sorgt, als auch Jennifer Jason Leigh als verrückte Geisel, die wegen ihrer Opferrolle bemitleidend ist und so gut spielt, dass sie dafür eine Oscarnominierung erhielt. Man hätte auch Samuel L. Jackson in die Liste der Nominierten aufnehmen sollen, schade dass die Academy dies nicht verwirklicht hat. In fast drei Stunden Laufzeit bekommt man ohne Frage eine Menge lustige Dialoge zu hören, die Gewalt wirkt schwarzhumorig, ist aber nicht immer wirklich lustig, wenn man Mitleid hat mit den Charakteren, einige gute Actionszenen gibt es hier auch zu sehen. Die Musik von Ennio Morricone ist lobenswert und passt perfekt zum Western-Genre, die Kulissen von der Schneelandschaft schön anzusehen, obwohl fast der ganze Film nur in der Hütte spielt und lediglich der Anfang des Films vor der verschneiten Kulisse gedreht wurde und einige Szenen im Laufe der Handlung.
- Anmelden oder Registieren, um Kommentare verfassen zu können
Die größte Frage die mir nach
Die größte Frage die mir nach THE HATEFUL EIGHT im Kopf blieb war : Wie lange wird es für Tarantino noch gut gehen ? Wie lange wird er es noch hinbekommen, Filme zu drehen ohne das dem Publikum deren Abwesenheit von Originalität oder die Spur einer Leistung seitens Tarantino, die über die Zelebrieren seiner coolen Protagonisten im ewigen Kampf gegen das Böse (mal sind es die Nazis, mal die Sklavenhändler) oder der Überspitzung jeglicher Gewaltexzesse hinaus geht, bemerkt ?
Möglicherweise ist sich Tarantino dessen bewusst und kündigt deswegen immer wieder an, es mit dem Filme drehen bald sein zu lassen. THE HATEFUL EIGHT ist nicht mehr als das Schwimmen in der Tarantino-Klischee Suppe
- Anmelden oder Registieren, um Kommentare verfassen zu können
Quentin Tarantino erschafft
Quentin Tarantino erschafft mit The Hateful Eight ein unfassbar nihilistisches Porträt, das die amerikanischen Werte als Schwindel entlarvt und sich provozierend an sein Publikum wendet. Denn das, was Quentin Tarantino zeigt, ist hässlich – sehr hässlich sogar. Der Umgangston fällt dementsprechend düster und hart aus, ebenso die zunehmenden (Gewalt)Taten nach der Intermission. Dennoch finden sich zwischen den polemischen Zeilen poetische Worte, die einmal mehr das Können des Regisseurs und Drehbuchautors unter Beweis stellen
- Anmelden oder Registieren, um Kommentare verfassen zu können
der trailer zeigt einen
der trailer zeigt einen western, dann wieder 8 coole typen, dieselben schauspieler, derselbe kram wie immer
- Anmelden oder Registieren, um Kommentare verfassen zu können
Ein tolles Cast, ich bin ganz
Ein tolles Cast, ich bin ganz gespannt!
- Anmelden oder Registieren, um Kommentare verfassen zu können


Werde Teil der Community
Schreibe Kommentare, vote für Deine Favoriten oder sende uns Deinen Film-Vorschlag.