Nicht anfassen, nur schauen. Das sind die Regeln, wenn Armando (Alfredo Castro) sich Jungs von der Strasse in die Wohnung holt. Sex als Gefälligkeit ohne Körperkontakt. Ganz unvermittelt führt uns der Lorenzo Vigas mit seinem Debüt in das Leben eines alleinstehenden Zahntechnikers ein. Armando hat kaum Kontakte zu anderen Menschen, im Grunde nur zu seiner Schwester. Wie ein Geist bewegt er sich in der Welt. Alles geschieht als Routine, nur die Suche nach Jungs wird in raubtierhafter Gier erledigt. Der Titel Desde Alla bedeutet "von weitem" und so masturbiert er auf der Coach, während seines Jungs sich entkleiden. Das entspricht Armanondos Entfernung vom Rest der Gesellschaft. Dann hat er Pech. Seine neueste Entdeckung entpuppt sich als Strassengangster. Armando wird niedergeschlagen und ausgeraubt. Das aber beeindruckt ihn gar nicht. Im Gegenteil, Armando beginnt, den Jungen zu verfolgen. Warum eigentlich? Nichts in der Figur des Armando deutet darauf hin, dass er Masochist ist. Elder (Luis Silva) geht sogar widerwillig auf ein zweites Treffen ein... Vigas ist ein Meister der rigorosen Bildersprache. Die Dialoge sind bei ihm nur zweitrangig und dementsprechend knapp. Hier geht es um die taxierenden Blicke, wie aus sexuellem Interesse Zuneigung erwächst. Mich hat aber doch verwundert, wie plötzlich Elder einfach umschwenkt und den Mann, den er eben noch zusammenschlug, zu seiner Familie einlädt. Die soziale Schranke zwischen dem Zahntechniker und der Familie ist riesig. Ob es einen Sinn im kulturellen Kontext ergibt, wie Elder einen älteren Mann (der sich irgendwie merkwürdig verhält) einführt, bleibt dahingestellt. Eine rätselhafte Charakterstudie, in der die Figuren immer wieder widersprüchlich handeln. Armando und Elder - sie sind beide Getriebene, Opfer ihrer jeweiligen Welt. Dass Guillermo Arriaga das Drehbuch verfasste, mag einiges über die erzählerische Schwäche dieses kunstvoll unterkühlten Film sagen. Immer wieder wird hier Bedeutung suggeriert. Wer aber ganz genau hinsieht, wird aber enttäuscht werden. Er entdeckt hinter diesem vermeintlichen Kunstwerk: Nichts. - Don't touch it, just look. Those are the rules when Armando (Alfredo Castro) gets boys from the street into the apartment. Sex as a courtesy without physical contact. With his debut, Lorenzo Vigas suddenly introduces us to the life of a single dental technician. Armando has hardly any contact to other people, basically only to his sister. He moves like a ghost in the world. Everything happens as a routine, only the search for boys is done in predatory greed. The title Desde Alla means "from a distance" and so he masturbates on the coach while his boy undresses. This is Armanondo's distance from the rest of society. Then he's out of luck. His latest discovery turns out to be a street gangster. Armando is beaten down and robbed. But that doesn't impress him at all. On the contrary, Armando begins to pursue the boy. Why actually? Nothing in the figure of Armando suggests that he is a masochist. Elder (Luis Silva) even reluctantly enters into a second meeting... Vigas is a master of rigorous imagery. The dialogues are only of secondary importance to him and are correspondingly short. This is about the appraising looks of how affection arises out of sexual interest. But I was surprised how suddenly Elder just swung over and invited the man he had just beaten up to his family. The social barrier between the dental technician and the family is huge. Whether it makes sense in a cultural context how Elder introduces an older man (who behaves strangely somehow) remains to be seen. A mysterious character study in which the characters repeatedly act in contradictory ways. Armando and Elder - they are both driven, victims of their respective worlds. That Guillermo Arriaga wrote the script may say something about the narrative weakness of this artfully undercooled film. Meaning is repeatedly suggested here. But if you look closely, you will be disappointed. He discovers behind this supposed work of art: Nothing.
Kommentare
Eure letzten Kommentare
Ist doch alles nur subjektiv!
Ist doch alles nur subjektiv! Wie langweilig wäre Einstimmigkeit!
- Anmelden oder Registieren, um Kommentare verfassen zu können
Was soll das! Der gewinner
Was soll das! Der gewinner des Goldenen Löwen, ein Meisterwerk des Queer Cinemas und dann so eine profane Kritik? Macht keinen Sinn? Aber eure Kritik macht Sinn, oder wie?
- Anmelden oder Registieren, um Kommentare verfassen zu können


Werde Teil der Community
Schreibe Kommentare, vote für Deine Favoriten oder sende uns Deinen Film-Vorschlag.