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The Time To Live And The Time To Die
Di, 31/03/2026 - 10:42
Lange Einstellungen, kaum Dialoge und eine meditative Betrachtung des ganz alltäglichen Lebens. Hier kommt eine Sammlung von minimalistischen Filmen aus Taiwan, Japan, Thailand und China. - Long takes, minimal dialogue and a meditative exploration of everyday life. Here is a collection of minimalist films from Taiwan, Japan, Thailand and China.

Filme in der Liste

FREE ON YOUTUBE The Time To Live And The Time To Die - Tóngnián wangshì (1985) (Rating 8,0) DVD-

FREE ON YOUTUBE The Time To Live And The Time To Die - Tóngnián wangshì DVD-

Leider geniesst das Werk von Hsiao-Hsien Hou doch nur eine Nische in unserer Videothek und wird eher selten nachgefragt. Woher kommt das nur? Auf allen grossen Festivals wurden seine Filme ausgezeichnet, auch in Berlin. Seine Filme liefen in den Programmkinos von über 40 Ländern. Vielleicht gelingt es uns ja, euch diesen freien stream von Hsiao-Hsien Hou ans Herz zu legen? Nun, ein bisschen liegt die Schuld natürlich auch beim Regisseur selbst. Nachdem er sich in seinen frühen Filmen wie The Time To Live And The Time To Die aus dem Jahr 1985 sehr erfolgreich mit den politischen und sozialen Verwicklungen seiner Heimat Taiwan beschäftigt hatte, entschied er sich für neuere komplexe Erzähl-Strukturen. Damit wurde sein Werk für seine Landsleute schwerer zugänglich. Jedenfalls ist The Time To Live And The Time To Die (ein fürchterlicher internationale Titel) sein zweiter Film - nach seinem bezaubernden Debüt A Summer At Grandpa's House. Wir schreiben das Jahr 1947. Ein Mann und eine Frau verlassen das chinesische Festland und gehen nach Taiwan. Die Revolution bricht aus. Sie entschliessen sich, in dem taiwanesischen Dorf zu bleiben. Daraus wird eine zurückhaltend erzählte, vermutlich teilweise autobiographische Familien-Saga über eine Dekade. Alles sehr schlicht und dadurch umso wahrhaftiger und ehrlicher! wir erleben den Mikrokosmos dieses Dorfs in Taiwan - das unsere Welt perfekt widerspiegelt.
What Time Is It There? - Ni na bian ji dian (2001) (Rating 8,5) DVD612

What Time Is It There? - Ni na bian ji dian DVD612

Immer schon hat man Tsai Ming-liang mit den ganz grossen Namen der Filmgeschichte verglichen. Mit dem Kino der Stille, Einsamkeit und Isolation. Wer What Time Is It There sieht, wird bemerken, dass Tsais Filme genauso witzig wie traurig sind. Und zwar beides im gleichen Moment. Tsais Held heisst Hsiao Kang (Lee Kang-Sheng) und er verkauft Armbanduhren, draussen auf den Strassen von Taipeh. Er hat etwas von der Befangenheit, aber auch der Redlichkeit der grossen Vorbilder, die wir aus Tatis oder Keatons Filmen kennen. Eines Tages will er Shiang-Chyi eine seiner Uhren verkaufen, doch sie besteht auf genau der an seinem Handgelenk. Die wiederum kann zwei Zeitzonen anzeigen und das ist wichtig für Shiang-Chyi. Sie wird bald nach Paris ziehen. Hsiaos Leben daheim ist trist und ohne jede Hoffnung auf Erlösung. Einmal sehen wir seinen Vater rauchend, allein in einem verdunkelten Zimmer. Die Mutter glaubt längst, die Seele ihres Mannes sei auf den grossen weissen Fisch in ihrem Aquarium übertragen worden. Ein Fisch als einziger Freund. Der Vater wird sterben, ohne je einen Funken Lebensfreude an seinen Sohn weitergegeben zu haben. What Time Is It There eröffnet uns das Versprechen der Gleichzeitigkeit. Ohne je wirklich mit ihr gesprochen zu haben, stellt Hsiao seine Uhren nach der Pariser Zeit. Gleichzeitigkeit oder einfach nur die Hoffnung darauf? Wenn unser Leben voller Leere ist, hoffen wir dann nicht auf ein fernes Ereignis?
Uncle Boonmee Who Can Recall His Past Lives - Loong Boonmee raleuk chat (2010) (Rating 8,9) (OmeU) DVD3071

Uncle Boonmee Who Can Recall His Past Lives - Loong Boonmee raleuk chat (OmeU) DVD3071

Und was wäre, wenn unsere Identität für alle Zeit existiert und sich gelegentlich an der Oberfläche des Lebens zeigt? In dem Moment, da wir uns dem bewusst werden, verliefe das Leben ohne zeitliche Begrenzung. Gibt es nicht diesen Gedanken, dass wir den Himmel als Kinder noch kannten? Wenn wir älter werden und dem Tode näher kommen, empfangen wir sie wieder, die Grüsse der anderen Seite. Diese Möglichkeitet bietet Uncle Boonmee Who Can Recall His Past Lives an. Der Filmtitel klingt genauso geheimnisvoll wie der seines Regisseurs Apichatpong Weerasethakul. Zumindest für westliche Ohren. Wer aber offen ist für Geschichten mit Geistern, die uns manchmal besuchen, ist hier im richtigen Film gelandet! Als ich Unlce Boonmee zum zweiten Mal sah, wurde mir bewusst, dass der Film einfach zu verstehen ist. Ein sterbender Mann wie Boonmee ist auch nicht besonders ergiebig für einen Plot oder "Action". Er nimmt Abschied.
Nobody knows - Daremo shiranai (2004) (Rating 9,0) DVD600

Nobody knows - Daremo shiranai DVD600

Am Anfang ziehen eine Mutter und zwei Kinder in eine Wohnung ein. Wir beobachten, wie sie zwei schwere Koffer die Treppen hinauf schleppen. Sie öffnen die Koffer und lassen zwei weitere Kinder frei. Die Mutter erklärt ihnen die Regeln für das neue Zuhause (die selbst vor dem Vermieter geheim zu halten sind): Niemals hinaus gehen. Nicht einmal auf die Veranda - ausser Kyoko, um die Wäsche zu machen. Kyoko ist die zweitälteste Tochter. Der älteste Sohn heisst Akira. Er betrachtet seine Mutter etwa aus derselben Perspektive, die auch wir einnehmen. Die Mutter ist eine unglückliche Frau. Frau? Eher noch ein Kind. Sie lacht verzweifelt. Ein Lachen, dass insbesondere den kleinen Kindern ein Leben voller Qualen verheisst. Die Mutter lässt Akira etwas Geld da. Sie verschwindet, kehrt spät nachts heim. So als ob es ganz normal wäre, dass sich die Kinder ihr Abendessen selbst zubereiten. Die Mutter stinkt nach Alkohol. Sie vertraut Akira an, dass sie einen neuen Mann kennen gelernt hat. Einen "aufrichtigen" zum Heiraten. Schon wieder? Dieses Mal lässt die Mutter ihre Kinder noch länger allein. Dann kehrt sie zurück mit Geschenken. Wieder gibt sie Akira Geld und verschwindet. Tage, Wochen vergehen. Wird die Mutter zurück kehren? Akira weiss: Sie wird nicht zurück kehren. Dieser Film von Hirokazu Kore-eda beruht auf einer wahren Geschichte, die sich in Tokyo zutrug. Die Geschichte von vier Kindern, die von ihrer Mutter in der Wohnung allein gelassen wurden für mehrere Monate. Unbemerkt und unentdeckt. Nobody Knows erzählt das nicht als Melodram, sondern wie einen Augenzeugen-Bericht. Ganz nüchtern.
Tokyo Story - Die Reise nach Tokyo - Tôkyô monogatari (1953) (Rating 9,7) (OmeU) DVD8418

Tokyo Story - Die Reise nach Tokyo - Tôkyô monogatari (OmeU) DVD8418

Keine Geschichte könnte einfacher sein: Die Grosseltern reisen in die Stadt, ihre Kinder und Enkelkinder zu besuchen. Die allerdings sind beschäftigt, was die alten Menschen verstimmt. Still, ohne dass es jemand zugibt, verfehlt der Besuch seinen Zweck eines Miteinanders. Nach der Rückkehr stirbt die Grossmutter und nun ist es an den Kindern, eine Reise zu unternehmen. Aus diesen Elementen hat Ozu einen der grössten Filme aller Zeiten gemacht; eine Geschichte, die noch lange nachwirkt und tiefe Emotionen weckt. Tokyo Story ignoriert die Momente, die andere Filme gesucht hätten: Die grossen Kino-Szenen. Er will nicht unsere Gefühle verstärken, sondern Verständnis erregen. Tokyo Story erreicht das in einem Masse, dass ich nahezu während des gesamten Finales heulen musste und mir sicher war: Ja, dieser Film schenkt mir Erkenntnis. Auf dass ich einige meiner Fehler überwinden möge! Die Charaktere sind universal angelegt, fast scheint es so, als blicke man in einen Spiegel. Ozus Drama stellt unsere Natur bloss. Es ist nicht einfach so, dass wir uns von unseren Familien entfremdet hätten. Wir verschanzen uns vor ihnen, um uns den Fragen des Lebens nach Liebe, Arbeit und Tod nicht zu stellen. Doch diese Flucht in Floskeln vermag ein mittlerweile 60 Jahre alter japanischer Film aufzudecken! Ozu erweist sich nicht nur als grosser Regisseur, sondern auch als erfolgreicher Lehrer, denn sein Film wird zu unserem Freund. Tokyo Story beginnt mit bittersüsser (westlicher) Musik, die aber nie zum Zweck eingesetzt wird, Affekte zu erhaschen. Ozu liebt Wolken, Rauch und leere Strassen, wie kein anderer Regisseur erweckt er mit jeder Einstellung ZUNEIGUNG. Seine Kamera bewegt sich fast immer auf Augenhöhe der Protagonisten und wird nahezu nie bewegt. Jede Einstellung wirkt wie eine eigene Komposition, fast möchte man sie als Bild rahmen. Ozu liebt die Stille, Bewegung wird immer nur durch die Figuren erzeugt. Der Grossvater lächelt viel, wenn er zuhört - schliesslich antwortet er "Ja". In seinem Blick aber sehen wir, dass das Gesagte nicht dem entspricht, was er meint. Vielmehr spüren wir, wie er sich davor schützt, seine wahren Gefühle zu offenbaren. "Ja" drückt die Reue darüber aus.
Spring, Summer, Fall, Winter... and Spring - Frühling, Sommer, Herbst, Winter - und Frühling - Bom yeoreum gaeul gyeoul geurigo bom (2003) (Rating 9,1) DVD193

Spring, Summer, Fall, Winter... and Spring - Frühling, Sommer, Herbst, Winter - und Frühling - Bom yeoreum gaeul gyeoul geurigo bom DVD193

Selten hat mich so ein einfacher Film dermassen bewegt! Spring, Summer, Fall, Winter ist buddhistisch, im Grunde aber universal. Er spielt auf einem Haus, dass wiederum auf einem Floss befestigt ist. Man meint, das Floss sei statisch, aber das stimmt nicht. Es treibt in einem abgeschiedenen See und symbolisiert Leben, Glauben, Wachstum, Liebe, Eifersucht, Hass, Grausamkeit und Erlösung. Und Natur. Es gibt auch einen Hund, eine Katze, einen Vogel, eine Schlange, eine Schildkröte und einen Frosch. Das kleine Haus mit nur einem Raum ist wie geschaffen für einen Eremiten. Es lebt dort ein Mönch (Oh Young Soo) mit einem Jungen (Seo Jae Kyung), der mal Mönch werden will. Der Mönch zieht den Jungen gross, wacht über ihn. Er betet eine Buddha Statue an und schlägt gegen eine heilige Klangschale. Wir bemerken, dass diese tägliche Routine sich kaum verändert. Der See ist von einem Wald umrandet. An einer Mündung befinden sich zwei bemalte Holztore, die sich immer dann öffnen, wenn eine neue Jahreszeit beginnt. Es sind Tore, die niemanden ausschliessen, jeder kann sie passieren, einfach, indem man um sie herum geht. Genauso ist das Haus beschaffen. Der Meister und sein Schüler schlafen auf Paletten links und rechts. Am Fuss jedes Schlafplatzes befinden sich zwei Türen. Auch die kann jeder passieren. Man kann einfach an ihnen vorbei laufen. Der Mönch, wenn er den Jungen weckt, benutzt die Tür. Andere Figuren in dem Film, werden aber einfach an ihnen vorbei laufen. Was lernen wir daraus? Ich denke nicht, dass diese Türen Symbole sind. Sie sind Lektionen. Sie lehren den Eintretenden, Bräuche und Traditionen zu respektieren. Man stelle sich nur einmal vor, ein Mensch aus der westlichen Welt würde auf dem See leben: Wie wäre das für uns? Wir, die wir die Bräuche des fernen Ostens idealisieren und von der meditativen Kraft eines solchen Lebens vielleicht sogar träumen. In Wahrheit aber wäre es doch ungesund für uns. Während ich den Film von Kim Ki-duk ansah, kamen mir solche Gedanke allerdings nicht. Ich habe mich ganz auf die Welt des Films eingelassen. Ich war bewegt von dieser Geschichte, die so zeitlos ist. Die Transzendenz der Ewigkeit! In Wahrheit wärs doch aber ziemlich kalt, im Winter auf diesem See zu wohnen! Kim Ki-duks Film aber ist so schön, dass wir diesen See als den Zentrum aller Existenz akzeptieren.
The scent of green Papaya - Der Duft der grünen Papaya - Mùi du du xanh (1993) (Rating 8,0) (OmeU) DVD5548

The scent of green Papaya - Der Duft der grünen Papaya - Mùi du du xanh (OmeU) DVD5548

So ein süsser und ruhiger Film! "The Scent of Green Papaya" spielt in Vietnam zwischen den 40er und 60er Jahren. Präziser zwischen den späten 40ern und den frühen 60ern. Wir betrachten die Zeit durch die Augen einer armen jungen Frau. Sie arbeitet als Dienerin im Haushalt einer Kaufmanns-Familie. Alles um sie herum beobachtet sie ganz genau. Jedes kleinste Detail! Langsam reift sie heran, entwickelt sich zu einer sehr schönen Frau. Sie ist von schlichter Güte, was wiederum ihre zynischen Arbeitgeber (die immer in Eile sind) beeindruckt. Sie heisst Mui und ist eine Waise. Als Kind fängt sie bei der Kaufmanns-Familie an, lernt schnell und gut. Ihre Arbeit führt sie unauffällig aus. Manchmal wirkt sie fast wie ein Geist. Die Welt durch ihre Augen zu betrachten bedeutet, die Schönheit überall zu sehen. Ein Wassertropfen, der auf ein Blatt perlt. Das Sonnenlicht, das durch die Blätter fällt. Oder der Duft der grünen Papaya. Wie der Haushalt, in dem sie arbeitet, funktioniert, lernen wir durch Muis Perspektive. Wir bemerken, mit wie viel Liebe die Mutter Mui begegnet. Sie ist wie eine Tochter. Mui wächst heran und das Vermögen der Familie schwindet. Dann stirbt der Vater und alles gerät in Unordnung. Mui soll als Dienerin eines Freundes der Familie arbeiten. Ihn kennt sie schon ein Leben lang. Heute spielt er Klavier und spricht französisch. Mui liebt ihn. Wir erkennen das nur durch äusserst indirekte Hinweise. Details, die für den Menschen kaum sichtbar sind... The Scent of Green Papaya wirkt mehr wie ein Gedicht als wie ein Film. Allerdings eines von grosser visueller Schönheit! Wer genauer hinsieht, bemerkt, dass die ganze Handlung in einem Set spielt. Innen. Das ist nicht ungewöhnlich für asiatische Filme. Womöglich sieht das Vietnam der frühen 90er, also der Entstehungszeit des Films, auch einfach zu wenig kolonialistisch aus? Tran Anh Hung erreicht so jedenfalls höchste visuelle Perfektion. Der Film sieht nicht aus wie das Leben. Er sieht aus wie ein Ideal des Lebens. Wie Muis Welt. Diese Welt kommt fast ohne Handlung aus. Die ganze Zeit fragen wir uns: Wann wird der Pianist die schöne Frau, die da unter seinem Dach lebt, endlich erblicken? Wann erkennt er endlich, dass die Liebe, die er überall gesucht hat, direkt vor ihm steht? Aber dieser Film wird nicht vom Plot gelenkt. Er wird vom Wachstum der jungen Frau gelenkt. Wenn du The Scent Of Green Papaya - so wie ich - zum zweiten Mal gesehen hast, wirst du das umso mehr geniessen.
Burning - Beoning (2018) (Rating 8,0) DVD10556

Burning - Beoning DVD10556

Zwei Freunde aus Kindheits-Tagen, beide aufgewachsen in der Nähe von Seoul, treffen sich zufällig nach Jahren wieder. Sie gehen gemeinsam etwas trinken und erinnern sich an früher. Sie hat Pantomime studiert und führt ihm etwas vor. Er reagiert wie verzaubert und verliebt sich. Er ist erstaunt über die Illusion. Sie erklärt ihm, wann immer er sich etwas sehnlichst wünscht, könnte er es auf diese Weise erschaffen. Jeder in Burning wünscht sich etwas auf sehnlichste Weise. Der junge Mann heisst Jongsu (Ah-in Yoo). Er träumt davon, Schriftsteller zu werden. Das Mädchen heisst Haemi, (Jong-seo Jun). Zunächst erkennt er sie gar nicht wieder. "Plastische Chirurgie"; grinst Haemi. Sie haben Sex und er stimmt zu, ihre Katze zu füttern, während sie nach Afrika reist. Eine Katze, die wir übrigens nie sehen. Gibt es die Katze überhaupt? Sehnsüchtig wartet jongsu auf Haemis Rückkehr. Sie kehrt nicht allein zurück, sondern in Begleitung von Ben (Steven Yeun). Ben ist kalt und irgendwie leer. Erfährt einen dicken Porsche und seine Wohnung ist voller Kunstwerke. Doch irgend etwas stimmt nicht mit Ben, findet Jongsu. Und was bedeutet eigentlich Haemi für ihn und seine reichen Freunde? Nicht mehr als ein Zeitvertreib? Jongsu glaubt, Haemi befindet sich in Gefahr... Burning spielt in einer Welt voller verschwommener Grenzen. Jongsu lebt in einem Dorf in der nähe Nordkoreas. Jederzeit droht ein Überfall aus dem Norden. Und die Katze lebt im Grenzbereich zwischen Sein und Nichtsein. Wichtig in Burning sind Schränke. Jeder hat einen Schrank mit Geheimnissen. Und Feuer. Vor allem Ben hütet ein merkwürdiges Geheimnis mit Feuer: Er brennt Gewächshäuser anderer Menschen nieder. Permanent droht Gefahr in Burning, auch wenn man sie nicht orten kann. Es ist schwer, überhaupt einen klaren Gedanken zu fassen. "Was ist" und "Was ist nicht"?
An Elephant Sitting Still

An Elephant Sitting - Da xiang xi di er zuo DVD-

Alle Figuren in Hu Bos Film kämpfen gegen Ungerechtigkeit und sie träumen von der Flucht. Nie lächelt jemand in diesem vierstündigen Werk - und wenn doch einmal wer lächelt, dann bitter. Ein roter Faden aus Verzweiflung und Ungerechtigkeit zieht sich durch dieses beeindruckende Debüt - der nicht einmal 30jährige Regisseur brachte sich nach der Fertigstellung um.
A Touch of Sin - Tian zhu ding (2013) (Rating 9,0) DVD1875

A Touch of Sin - Tian zhu ding DVD1875

"In interessanten Zeiten zu leben"; der Chinese benutzt die Wendung als Versprechen, aber auch als Fluch. Diese "interessanten Zeiten" sind hier und heute in der Geschichte des Landes. Zhangke Jia präsentiert sie uns in vier Vignetten, die allesamt von realen Ereignissen beeinflusst sind. Sie zeigen, was Chinas unheimliche Expansion mit der Mehrheit der Bevölkerung macht... Ein schöner Film ist das nicht geworden, aber ein fesselnder! Während die Partei- und Wirtschaftsbosse die neuen Reichtümer Chinas unter sich aufteilen, wird die riesige Mehrheit der Bevölkerung vom Wohlstand abgehängt. Wir erleben eine Reise durch China, von Bergarbeitersiedlungen zu Millionenstädten, vom Grossbahnhof zur Dorfstube, vom fahlen Licht der Fabriken und Hochhaussiedlungen in die neonbunten Strassen der Vergnügungsviertel. Besetzt mit promineten Schauspielern wie Zhao Tao als auch Laiendarstellern, ist A Touch Of Sin, anders als Zhangke Jias vorige Filme nicht still und auf den Alltag bezogen, sondern wütend: Ein Minenarbeiter will die Korruption der Bosse nicht länger hinnehmen und rennt mit dem Gewehr in der Hand gegen das System an. Die Dame am Empfang eines Massage-Salons wird von den Kunden gedemütigt und rastet aus. Ein Wanderarbeiter versucht um jeden Preis, seinen Anteil um Reichtum zu bekommen... Zhangke Jia filmt zurückhaltend, fast stoisch, um dann in exzessiver Gewalt auszubrechen. A Touch Of Sin wirkt wie ein Reisebericht voller Grausamkeit und dem Grundgedanken der Rache. Manchmal hätte ich gern etwas mehr Zeit mit einer der Figuren verbracht, aber das erlaubt die Inszenierung nicht, die sich als Übersicht über die Ereignisse versteht. Die Neonlichter, die überall, sogar in den Kleinstädten, das verdorbene Nachtleben symbolisieren, die Horden von Sex-Arbeitern in lächerlichen traditionellen Kostümen vor den Sex-Patronen (achte mal auf den Cameo Auftritt von Zhangke Jia!)

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