Mo, 01/03/2021 - 14:12
Directed by:
Oliver Berben
Annette Hess
Philipp Kadelbach
Schauspieler:
Jana McKinnon
Lena Urzendowsky
Lea Drinda
Michelangelo Fortuzzi
Jeremias Meyer
Video:
Trailer
AMAZON MOVIE Es war einer der schrecklichsten Filme, die ich je sah! Und dass er auf wahren Begebenheiten beruht, macht ihn nur umso schlimmer: Christiane F., das Portrait eines dreizehn jährigen Mädchens, das in nur zwei Jahren von einer relativ durchschnittlichen Kindheit in das grauen von Heroin-Sucht, Kinder-Prostitution und einem Leben am Abgrund des Todes gerät. Sowohl die Film als auch die Buch-Version waren berüchtigt. Schulklassen mussten den Stoff lesen oder den Film als VHS im Klassenzimmer sehen. Die echte Christiane wurde zum allerersten Mal als Zeugin im Prozess gegen einen Mann bekannt, der wegen Sex mit Minderjährigen angeklagt war. Ein Reporter, der diesen Prozess verfolgte, war von ihrem starken Auftritt vor Gericht so angetan, dass er Christiane aufspürte. Seine auf Tonband mit ihr aufgezeichneten Interviews sollten die Grundlage werden für einer Serie im Stern Magazin - woraus wiederum das Buch resultiert. Es ist eines der unerbittlichsten Portraits von Drogensucht, die ich je erleben musste! Christiane F. entfaltet sich als Plateau des Leidens, das tiefer liegt als alles, was ich bis dahin kannte. Ganz zu Beginn lernen wir Christiane als unauffälligen Teenager kennen. Sie neigt zu kleinen Lastern; zum Beispiel hört sie zu Hause ihre Schallplatten zu laut oder kommt zu spät heim. Sie lebt zusammen mit ihrer Mutter und ärgert sich darüber, dass der Freund ihrer Mama ständig bei ihnen ist. Gemeinsam mit Freunden experimentiert sie ein bisschen mit Gras und Alkohol. Nach einem David Bowie Konzert schnupft sie zum ersten Mal Heroin. "Nur aus Neugier"; wie sie meint. Christiane mag das Gefühl. Sie nimmt es wieder. Einige ihrer jungen Freunde sind bereits Junkies, doch sie ignoriert deren Warnungen. Sie wiederholt, ohne nachzudenken, das, was alle Süchtigen behaupten: Dass sie gar nicht abhängig werden könnten bei dem Bisschen. "Ich kann meinen Konsum kontrollieren"; sagt Christiane. Das kann sie nicht. Nicht lange und sie spritzt das Heroin. Eine kurze Zeit danach verkauft sie ihren Mädchen-Körper. In grossen Städten wie in unserer, darf das als häufige Geschichte gelten. Christiane war noch sehr jung, weshalb ihr Fall auffälliger ist. Wirklich ungewöhnlich: Christiane findet ihren Weg in die Heroin-Sucht und Prostitution allein - ohne Zuhälter. Genau wie sie tauchen wir ein in die Drogen-Szene von West-Berlin. Unsägliches geschieht, etwa der Junkie, der über ein Toilettenhaus springt, um Christiane die Nadel weg zu reissen. Oder Christiane und ihr Freund, die versuchen, einen kalten Entzug zu machen und übereinander erbrechen. Tote Junkies werden im Dreck gefunden. Am schlimmsten aber wirken die jungen Junkies am Bahnhof Zoo, wie sie in Reihe stehen, ohne einen Funken Hoffnung in ihren Augen. Weshalb ich den Original-Film hier beschreibe? Um den Unterschied zur Amazon Mini-Serie deutlich zu machen. Gleich im Vorspann schränken die Macher ihre Absichten ein: "Einzelne Personen sowie Ereignisse in ihrem Freundeskreis und familiären Umfeld sind fiktionalisiert oder frei erfunden." Christiane F. darf man heute als West-Berlin Mythos bezeichnen. Deshalb versuchen die Macher, sie aus ihrem zeitlichen Kontext zu reissen. Alles soll zeitlos wirken, nicht historisch. Die Stamm-Disco von Christiane, das "Sound" (ehemals Genthiner Str. 26, zwischen Kurfürstenstr. und Lützowstr.), wirkt wie eine Edel.Disco. Oder ein Techno-Tempel der frühen 00er. Die Klamotten der Junkies mögen von den späten 70ern inspiriert worden sein. Doch man denkt unweigerlich an Influencer, nicht an Junkies. Was im Original realistisch und dadurch umso drastischer funktionierte, wird hier fast surreal überhöht. Das dreckige West-Berlin der 80er kommt in der Serie gar nicht vor. Das hier ist das Hochglanz Berlin, das es nie gab und wohl auch nie geben wird! Aber Heroin ist die Droge einer bestimmten Ära. Verbunden mit einer bestimmten Attitude. Ins Berghain gehört Heroin nicht. Das Einzige, was mir einleuchtet: Die Sehnsucht dieser Kinder nach einem anderen Leben. Und dieses Leben wird durch das Heroin eröffnet. Nichts desto trotz; ich empfehle dringend den Original Film aus dem Jahr 1981 (bei uns im Verleih als DVD1476). Dazu brauchst du kein amazon. Gibts bei uns für einen Euro. - AMAZON MOVIE It was one of the most horrific films I've ever seen! And the fact that it was based on true events only makes it all the worse: Christiane F., the portrait of a thirteen-year-old girl who, in just two years, goes from a relatively average childhood to the horrors of heroin addiction, child prostitution, and a life on the precipice of death. Both the movie and book versions were notorious. School classes were required to read the material or watch the film as a VHS in the classroom. The real Christiane first came to prominence for the very first time as a witness in the trial of a man charged with having sex with minors. A reporter following that trial was so taken with her strong courtroom performance that he tracked Christiane down. His taped interviews with her would become the basis for a series in Stern magazine - which in turn resulted in the book. It is one of the most unrelenting portraits of drug addiction I have ever had to experience! Christiane F. unfolds as a plateau of suffering deeper than anything I had known before. At the very beginning, we meet Christiane as an unremarkable teenager. She is prone to small vices; for example, she listens to her records too loudly at home or comes home too late. She lives with her mother and is annoyed that her mom's boyfriend is always with them. Together with friends, she experiments a bit with weed and alcohol. After a David Bowie concert, she snorts heroin for the first time. "Just out of curiosity"; as she says. Christiane likes the feeling. She takes it again. Some of her young friends are already junkies, but she ignores their warnings. She repeats, without thinking, what all addicts claim: that they couldn't get addicted at all to that little bit. "I can control my consumption," Christiane says. She can't. Not long and she injects the heroin. A short time later she sells her girl-body. In big cities like ours, this may be considered a common story. Christiane was still very young, which is why her case is more striking. Really unusual: Christiane finds her way into heroin addiction and prostitution alone - without a pimp. Just like her, we dive into the drug scene of West Berlin. Unspeakable things happen, such as the junkie who jumps over a toilet building to snatch Christiane's needle away. Or Christiane and her boyfriend trying to go cold turkey and vomiting all over each other. Dead junkies are found in the dirt. But worst of all are the young junkies at Bahnhof Zoo, standing in line without a spark of hope in their eyes. Why do I describe the original film here? To make the difference to the Amazon mini-series clear. Right in the opening credits, the makers qualify their intentions: "Individuals as well as events in her circle of friends and family are fictionalized or freely invented." Christiane F. may be called a West Berlin myth today. That's why the makers are trying to tear her out of her temporal context. Everything should seem timeless, not historical. Christiane's regular disco, the "Sound" (formerly Genthiner Str. 26, between Kurfürstenstr. and Lützowstr.), looks like an Edel.disco. Or a techno temple of the early 00s. The junkies' clothes may have been inspired by the late 70s. But one inevitably thinks of influencers, not junkies. What worked realistically and thus all the more drastically in the original is almost surreally exaggerated here. The dirty West Berlin of the 80s doesn't appear in the series at all. This is the glossy Berlin that never existed and probably never will! But heroin is the drug of a certain era. Connected with a certain attitude. Heroin does not belong in Berghain. The only thing that makes sense to me: The longing of these children for a different life. And this life is opened up by heroin. Nevertheless; I strongly recommend the original film from 1981 (in our rental store as DVD1476). You don't need amazon for that. You can get it for one Euro.
Kommentare
Eure letzten Kommentare
Mo, 01/03/2021 - 15:29
Die Beschreibung der Serie…
Die Beschreibung der Serie würde allerdings drastischer ausfallen als die des Kinofilms. So hört sich das ja noch gnädig an.
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Mo, 01/03/2021 - 18:33
ich pflichte bei, denn das…
ich pflichte bei, denn das hier is trash.
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Mi, 03/03/2021 - 10:43
Ganz übles Ding, übrigens…
Ganz übles Ding, übrigens von den Machern von Weißensee.
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