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Komm süsser Tod
Do, 08/08/2013 - 20:06

Das österreichische Kino ist schon sehr eigen, vielen Filmen liegt die Chaostheorie zugrunde, der österreichische Film liebt das Abweichende und Groteske. Zufall und Metaphysik sind nicht zuletzt durch grosse Vorbilder wie Michael Hanekes 71 Fragmente einer Chronologie des Zufalls oder Barbara Alberts Böse Zellen ein Thema. Antonin Svobodas Spiele leben ist das Portrait eines Spielsüchtigen mit einer Amour fou zu einem drogensüchtigen Mädchen, die zum Roulette wird. Antares von Göz Spielmann ist nicht nur einer der besten österreichischen Filme der letzten Jahre, sondern zeigt auch beispielhaft die Durchlässigkeit eines geschlossenen Systems, dargestellt anhand einer Wiener Hochhaus Siedlung. Drei ineinander verschachtelte Episoden mit Sex, mal verkrampft, gewalttätig, dann verstörend. Jessica Hausners Hotel ist ein Essay über das Unheimliche, das die Nähe sucht zu Kubricks Shining und auch in Ulrich Seidls Hundstage geht es um Abgründe: Bei ihm wird das Konsumparadies eines Einkaufszentrums zum Vorhof der Hölle. Die alten und jungen Filmemacher lieben den drastischen Blick auf ihr Land, sie bestätigen das Vorurteil, die Österreicher hätten einen Faible für Tod und Selbstzerfleischung. Beiläufig wird auch gerne zum Thema Migration Stellung bezogen und schlägt drein auf den Kleinbürger. Irgendwo erinnert der moderne österreichische Film an die kommunistischen deutschen Filme wie Kuhle Wampe aus den 30er Jahren. Eine grosse Affinität hat der österreichische Film zum Neorealismus und wirkt darin sehr souverän. Michael Haneke schuf mit 71 Fragmente einer Chronologie des Zufalls so etwas wie die Gründungsakte des österreichischen Films: Episodisches loses Erzählen, die Mikrodramatik der Szenen und eine latente Gewaltbereitschaft. Seit Haneke und Seidl ihre Karriere begannen, stiessen auffällig viele weibliche Regisseurinnen in den erlesenen Kreis. Der österreichische Film wurde dadurch erotischer etwa in Jessica Hausners Lovely Rita, Barbara Alberts Nordrand und auch Böse Zellen (vgl. epd 4/04, S. 10f.) Der Film Kotsch ist symptomatisch für den österreichischen Film insgesamt, voll tiefer Tristesse, die das Kino des Alpenlandes derzeit durchzieht. Kotsch ist Kino als Pathologie einer Nation, voller Hassliebe zum eigenen Land. Österreichisches Kino ist deshalb auch das Kino des Kotzens, man kann darauf warten, dass in einem österreichischen Film gekotzt wird! - Austrian cinema is already very peculiar, many films are based on chaos theory, Austrian film loves the deviant and the grotesque. Chance and metaphysics are a theme, not least due to great role models such as Michael Hanekes' 71 fragments of a chronology of chance or Barbara Albert's Evil Cells. Antonin Svoboda's Games Live is the portrait of a gambling addict with an amour fou to a drug-addicted girl who turns into roulette. Antares von Göz Spielmann is not only one of the best Austrian films of recent years, but also exemplarily shows the permeability of a closed system, represented by a Viennese skyscraper settlement. Three interlaced episodes with sex, sometimes cramped, violent, then disturbing. Jessica Hausner's Hotel is an essay about the uncanny that seeks closeness to Kubrick's Shining and Ulrich Seidl's Dog Days are also about abysses: With him, the consumer paradise of a shopping centre becomes the forecourt of hell. The old and young filmmakers love the drastic view of their country, they confirm the prejudice that the Austrians have a soft spot for death and self-destruction. In passing, they also like to take a stand on the subject of migration and strike at the petty bourgeois. Somewhere the modern Austrian film reminds one of the communist German films like Kuhle Wampe from the 1930s. The Austrian film has a great affinity to neorealism and seems very sovereign in it. With 71 fragments of a chronology of chance, Michael Haneke created something like the founding acts of Austrian film: episodic loose narration, the microdramatics of the scenes and a latent propensity to violence. Since Haneke and Seidl began their careers, a striking number of female directors have joined the select circle. The Austrian film thus became more erotic, for example in Jessica Hausner's Lovely Rita, Barbara Albert's Nordrand and also Evil Cells (cf. epd 4/04, p. 10f.). The film Kotsch is symptomatic of the Austrian film as a whole, full of deep dreariness that is currently pervading the cinema of the Alpine country. Kotsch is cinema as the pathology of a nation, full of hatred for one's own country. Austrian cinema is therefore also the cinema of vomiting, one can wait for an Austrian film to vomit! 

Filme in der Liste

Im Keller

Im Keller

Ulrich Seidl kehrt zu seinen Doku-Kompositionen über die "Ur-Einwohner" Österreichs zurück. Er folgt ihnen mit zynischem, aber auch liebevollem Blick - irgendwie... link trailer

Kotsch

Der Titel trifft im Kern das Wesen der österreichischen Komödie, denn hier darf gekotzt werden! Von Helmut Köpping

Komm süsser Tod

Grossartige, brillante schwarze Komödie von Wolfgang Murnberger (Romanvorlage Wolfgang Haas) mit Josef Hader!!! Sehen!!!
Indien

Indien

Der Klassiker unter den Kabarett-Komödien von und mit Josef Hader und Alfred Dorfer
Import/Export

Import/Export

Eine Krankenschwester aus der Ukraine in Wien, eine unausgebildete Sekretärin aus Wien im Osten - die Hoffnung auf ein besseres Leben zerschlägt sich. Abgründiges von Ulrich Seidl

Immer nie am Meer

Was machen drei Männer nach einem Autounfall, wenn sie feststecken im Wrack? Komödie von Antonin Svoboda (auf engstem Raum!)
Hurensohn

Hurensohn

Die Geschichte von Ozren, dessen Mutter als Prostituierte arbeitet. Drehbuch Michael Glawogger, Regie Michael Sturminger
Hundstage

Hundstage

Der erste Spielfilm von Ulrich Seidl ist das Portrait einer Vorstadtsiedliung von Wien während der heissen Sommertage. Mit Verachtung inszeniert!
Hotel

Hotel

Ein bisschen Shining steckt da drin, in Jessica Hausners Mystery Thriller nach den Prinzipien der Berliner Schule.
Hinterholz 8

Hinterholz 8

Die österreichische Die Hard Variante für den Eigenheim Besitzer! Von Harald Sicheritz mit Düringer
Funny games

Funny games

Zwei Psychopathen nehmen eine Familie in ihre Gewalt und zwingen sie zu sadistischen "Spielchen". Schockierend der Ton, in dem die "Gentlemen" ihre abartigen Anweisungen geben. Moralischer Holzhammer von Michael Haneke mit Ulrich Mühe.

Die Viertelliterklasse

Komödie von und mit Roland Düringer
Die Siebtelbauern

Die Siebtelbauern

Revolution im österreichischen Hinterland am Anfang des Jahrhunderts! Von Stefan Ruzowitzky mit der tollen Sophie Rois!

Der Überfall

Endlich mal gemeinsam! Roland Düringer und Josef Hader in einer typischen Kabarett-Komödie!
Der Räuber

Der Räuber

Ein Marathonläufer mit dem Hobby, Banken auszurauben. Action Film von Benjamin Heisenberg, der leider etwas unterging im Kino.
Das Vaterspiel

Das Vaterspiel

Ein Computerspiel, den eigenen Vater zu töten! Von Michael Glawogger

Das Fest des Huhns

Eine ethnologische Komödie! Ein afrikanisches TV Team untersucht die seltsamen Gewohnheiten des Alpenländlers! Von Walter Wippersberg. Unbedingt ansehen!!!
Contact high

Contact high

Alles in einem: Psychodelisches Road Movie, Western und Komödie! Von Michael Glawogger
Charms Zwischenfälle

Charms Zwischenfälle

von Michael Kreihsl
Böse Zellen

Böse Zellen

Das Schicksal hält die Fäden in der Hand in diesem Drama von Barbara Albert!

Blue moon (2002)

Flucht nach Osten nach einem dilettantischen Verbrechen. Road Movie mit dem ungleichen Paar Josef Hader und Detlev Buck.
Benny's Video

Benny's Video

Die Chronologie von Benny's Gewaltausbruch. Von Michael Haneke mit Ulrich Mühe und Angela Winkler als Eltern und Opfer.
Basta - C(r)ook

Basta - C(r)ook

Schwarze Komödie des experimentellen Filmemachers Pepe Danquart mit Henry Hübchen. Ist aber etwas zu nett gelungen!
Antares

Antares

Drei Parallelgeschichte, drei Frauenschicksale, um einen Autounfall konstruiert. Von Götz Spielmann
Amok - 71 Fragmente einer Chronologie des Zufalls

Amok - 71 Fragmente einer Chronologie des Zufalls

Michael Hanekes Frühwerk - eine Chronologie des Glücks bzw. des Zufalls.

Kommentare

Eure letzten Kommentare
Milena.P
Mo, 09/02/2015 - 01:51

Ja ja die Ösis! So sind sie

Ja ja die Ösis! So sind sie eben. Antares ist mein Liebling!

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