Amelie Poulain, eine heitere Fantasie über ein Mädchen mit trauriger Kindheit, die zu einer schüchternen Frau heranwuchs, die Bedürftigen aufzumuntern und sich selbst damit die grösste Freude zu verschaffen. Es ist einer dieser Filme, die einen noch zum Schmunzeln bringen, denkt man anschliessend darüber nach. Amelie Poulain, das ist Audrey Tautou. Sie sieht so aus wie jemand, der ein Geheimnis kennt (es aber nicht bewahren kann). Als Mädchen hungert sie regelrecht nach Liebe, da ihr Vater sie nie küsst oder streichelt. Als Arzt berührt er sie nur, wenn er die Tochter untersucht und das wiederum lässt sie vor Glück zittern. Ihre Mutter beging Selbstmord und zwar im Notre Dame (doch das verrät gar nicht soviel über die Handlung, wie wir aufgrund dieser Symbolik wohl vermuten würden). Jedenfalls wuchs Amelie einsam und allein heran. Sie arbeitet als Kellnerin in einem Bistro. Es war der Tod von Prinzessin Diana, der ihr ganzes Leben verändern sollte. Vor Schreck lässt Amelie eine Teekanne fallen und schlägt ein Loch in den Boden. Sie findet die Box eines Jungen, die sein ganzes Leben nachzeichnet. Amelie beschliesst in diesem Moment, andere Menschen glücklich zu machen. Und zwar in jeder Hinsicht! Das wiederum würde ihr selbst ein Leben voller Freuden bereiten. Wer erinnert sich noch, wie Amelie zwar nicht in Cannes laufen durfte (zu wenig ernsthaft, so die ernsthafte Begründung), dann aber doch das Publikum auf Festivals verzückte und auf imdb als Nummer 54 der besten Filme bewertet wurde. Das sagt viel aus über Amelie, die den Menschen soviel Vergnügen und Gutherzigkeit schenkt. Virtuos inszeniert in einem Paris, das nicht das "echte" moderne darstellt, sondern eines, wie wir es aus Märchen kennen. Ein sauberes, buntes, leuchtendes Paris wie es im Hollywood der 50er entworfen wurde und so nie existierte. Amelie verschafft dem Besitzer der Box also sein Glück und beschliesst, es auch mit anderen Menschen zu vollbringen. Dann trifft sie Nino (Mathieu Kassovitz), der in einem Pornoladen arbeitet. Nino hat ein merkwürdiges Hobby: Er sammelt die Bilder von Fotoautomaten, die weggeworfen wurden und bastelt daraus verfehlte Collagen. Nino erblickt Amelie in ihrem Cafe und sie löst sich buchstäblich auf (im eigentlichen Sinne!). Sie ist in Nino verliebt, aber viel zu schüchtern, ihn anzusprechen (Amelie entwickelt sich stattdessen zu einer wahren Stalkerin). Amelie Poulain, ein Meisterwerk voller Einfälle und Ideen. Etwa das Bild Amelies auf dem Montmartre. Sie fragt sich, wieviele Pariser in diesem Moment gleichzeitig einen Orgasmus haben? Dann sehen wir sie alle in einer vergnüglichen Montage. Natürlich inszeniere ich als Videothekar nicht selbst Filme, ich glotze sie nur. Dennoch kann ich mir vorstellen, dass es nichts Schwierigeres gibt, als solch eine wendige und charmante Komödie zu machen! Ein Drahtseilakt voller Kitsch und Schrulligkeiten und alles gelingt Jean-Pierre Jeunet! Amelie Poulin wird zu unserer Freundin, der Film zu einer einzigen Einladung. -
Amelie Poulain, a cheerful fantasy about a girl with a sad childhood, who grew up to be a shy woman, to cheer up the needy and give herself the greatest joy. It's one of those movies that makes you smile, you think about it afterwards. Amelie Poulain, this is Audrey Tautou. She looks like someone who knows a secret (but can't keep it). As a girl, she hungers for love because her father never kisses or caresses her. As a doctor, he only touches her when he examines her daughter, which in turn makes her tremble with happiness. Her mother committed suicide in Notre Dame (but that doesn't reveal as much about the plot as we would expect from this symbolism). Anyway, Amelie grew up lonely and alone. She works as a waitress in a bistro. It was the death of Princess Diana that changed her whole life. Amelie is shocked to drop a teapot and knock a hole in the floor. She finds a boy's box that traces his whole life. Amelie decides at this moment to make other people happy. And in every respect! That in turn would give her a life full of joy. Who still remembers how Amelie wasn't allowed to run in Cannes (too little serious, according to the serious explanation), but then the audience was enraptured at festivals and rated number 54 of the best films on imdb. That says a lot about Amelie, who gives people so much pleasure and kindness. Virtuously staged in a Paris that is not the "real" modern one, but one we know from fairy tales. A clean, colourful, luminous Paris as it was designed in Hollywood in the 50s and never existed. So Amelie gives the owner of the box his happiness and decides to do it with other people. Then she meets Nino (Mathieu Kassovitz), who works in a porn shop. Nino has a strange hobby: he collects the pictures of photo machines that have been thrown away and makes missed collages from them. Nino sees Amelie in her cafe and she literally dissolves (in the true sense!). She is in love with Nino, but much too shy to talk to him (Amelie instead becomes a true stalker). Amelie Poulain, a masterpiece full of ideas. For example the picture Amelies on Montmartre. She wonders how many Parisians have an orgasm at the same time? Then we see them all in an amusing montage. Of course, as a video store I don't produce films myself, I just watch them. Nevertheless, I can imagine that there is nothing more difficult than to make such an agile and charming comedy! A tightrope act full of kitsch and quirks and Jean-Pierre Jeunet manages everything! Amelie Poulin becomes our girlfriend, the film becomes a single invitation.
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After watching the film again
After watching the film again after several years, I felt in love a second time!
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Da wir uns häufiger mal etwas
Da wir uns häufiger mal etwas schenken sollten, ist folgender Kommentar für die liebe Zimtmond. Ich habe mich sehr gefreut, dass sie Lust auf noch eine kleine Sonderminirunde hatte und ich ihr somit einen Kommentar zu einem Film schreiben kann, bei dem ich jedesmal einen kurzen Moment an sie denken muss, wenn ich bei diesem Titel an meinem DVD-Regal vorbeigehe.
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„Also, mir ist gerade etwas Unglaubliches passiert. Muss mein Schutzengel sein, das gibt’s nicht.
Es war, als hätte die Telefonzelle mich gerufen, klingeling, klingeling, klingeling. [...] Seltsam, das Leben. Wenn man klein ist, vergeht die Zeit überhaupt nicht, und dann ist man plötzlich fünfzig Jahre alt. Und alles, was von der Kindheit übrig ist, passt in ein Kästchen, verrostet und klein. Haben Sie schon Kinder, Mademoiselle? [...] Ich glaube, es wäre an der Zeit, sie [= die eigene, schon lange nicht mehr gesehene Tochter] wieder zu besuchen, bevor ich in einer kleinen Kiste ende. Meinen Sie nicht auch?“
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